← Zurück zur Startseite
klaro.legal

Arbeitszeugnis entschlüsseln

Den Geheimcode verstehen

Dein Arbeitszeugnis klingt positiv – aber ist es das wirklich? Die Zeugnissprache steckt voller versteckter Codes. Wir übersetzen sie für dich.

Der Geheimcode im Arbeitszeugnis

Arbeitszeugnisse klingen fast immer positiv. Sätze wie 'Er erledigte seine Aufgaben zu unserer Zufriedenheit' wirken harmlos – bedeuten aber in Wirklichkeit eine schlechte Bewertung. Das liegt am deutschen Arbeitsrecht: Zeugnisse müssen wohlwollend formuliert sein. Deshalb haben Personaler eine eigene Geheimsprache entwickelt.

Das Problem

Die meisten Menschen können ihren Arbeitszeugnis-Code nicht lesen. Sie denken, ihr Zeugnis ist gut – dabei steht zwischen den Zeilen etwas ganz anderes. Das kann bei der Jobsuche zum Verhängnis werden.

Was du hier lernst

  • Wie du die versteckte Note (1-6) erkennst
  • Was die häufigsten Geheimcodes bedeuten
  • Welche Warnsignale du sofort erkennen solltest
  • Wie du dein eigenes Zeugnis bewerten kannst
Infografik Geheime Codes: Gut=Nett, Bemüht=Mäßig, Wissen=Keine Praxis, Beliebt=Tratsch - Vorsicht!

So entschlüsselt klaro.legal

Hier siehst du, wie klaro.legal die versteckten Codes in Arbeitszeugnissen aufdeckt:

Beispiel: Leistungsbeurteilung decodiert

Original im Zeugnis

Herr Mustermann erledigte die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit. Er verfügte über ein solides Fachwissen und war bemüht, sich stets auf dem neuesten Stand zu halten. Seine Arbeitsweise war von Sorgfalt geprägt. Im Umgang mit Vorgesetzten und Kollegen war sein Verhalten stets einwandfrei.

Klaro übersetzt

Du hast deine Aufgaben zur vollen Zufriedenheit erledigt. Du hattest solides Fachwissen und hast dich bemüht, aktuell zu bleiben. Du hast sorgfältig gearbeitet. Dein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war einwandfrei.

⚠️ Achtung: "Volle Zufriedenheit" = Note 3 (befriedigend). "Bemüht" ist oft ein Warnsignal. "Solide" bedeutet Durchschnitt.

So funktioniert es: Du lädst dein Zeugnis hoch und bekommst sofort alle versteckten Codes übersetzt – inklusive der tatsächlichen Note.

Was ist ein Arbeitszeugnis?

Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf ein schriftliches Arbeitszeugnis. Das ist gesetzlich geregelt – dein Arbeitgeber muss dir eins ausstellen.

Zwei Arten von Zeugnissen

Einfaches Zeugnis

Enthält nur: Name, Geburtsdatum, Dauer der Beschäftigung, Art der Tätigkeit. Keine Bewertung.

Qualifiziertes Zeugnis

Enthält zusätzlich: Bewertung deiner Leistung und deines Verhaltens. Das ist der Standard.

Dein Anspruch

Du kannst ein qualifiziertes Zeugnis verlangen – auch nach der Kündigung. Die Frist beträgt in der Regel 3 Jahre, aber fordere es am besten sofort an.

Pflichten des Arbeitgebers

Wahrheitspflicht: Das Zeugnis muss der Wahrheit entsprechen

Wohlwollenspflicht: Es darf dein berufliches Fortkommen nicht behindern

Vollständigkeitspflicht: Alle relevanten Tätigkeiten müssen erwähnt werden

Die Zeugnissprache verstehen

Wegen der Wohlwollenspflicht darf kein Zeugnis direkt negativ klingen. Deshalb hat sich eine codierte Sprache entwickelt. Die wichtigsten Prinzipien:

Prinzip der Steigerung

Je mehr Superlative und Verstärker ('stets', 'jederzeit', 'außerordentlich'), desto besser. Fehlen sie, ist das negativ.

Prinzip der Auslassung

Was nicht erwähnt wird, wird als negativ gewertet. Fehlt z.B. die Bewertung der Teamfähigkeit, heißt das: mangelhaft.

Prinzip der Reihenfolge

Die Reihenfolge der Bewertungen ist wichtig. Erst kommt die Leistung, dann das Verhalten. Abweichungen signalisieren Probleme.

Prinzip der Passivkonstruktion

Passive Formulierungen ('wurde eingesetzt') deuten auf mangelnde Eigeninitiative hin. Aktive Formulierungen ('übernahm') sind positiv.

Das Notensystem entschlüsseln

Das Herzstück jedes Zeugnisses ist die Leistungsbeurteilung. Sie folgt einem klaren Notensystem von 1 bis 6 – versteckt hinter Standardformulierungen.

Die Leistungsformel

"stets zu unserer vollsten Zufriedenheit"Note 1 – Sehr gut
"stets zu unserer vollen Zufriedenheit"Note 2 – Gut
"zu unserer vollen Zufriedenheit"Note 3 – Befriedigend
"zu unserer Zufriedenheit"Note 4 – Ausreichend
"im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit"Note 5 – Mangelhaft
"hat sich bemüht"Note 6 – Ungenügend

Der Schlüssel zum Code

  • 'Stets' = zeitliche Verstärkung = +1 Note
  • 'Vollste' = maximale Steigerung = Note 1
  • 'Volle' = normale Steigerung = Note 2-3
  • Keine Steigerung = Note 4 oder schlechter

Notenverteilung in deutschen Arbeitszeugnissen

klaro.legal

86% aller Arbeitszeugnisse haben die Note "gut" oder "sehr gut"

Quelle: Studien der Universität Erlangen-Nürnberg und Personalmanagement Service GmbH

Formulierungen & ihre wahre Bedeutung

Hier sind die häufigsten Zeugnisformulierungen – und was sie wirklich bedeuten:

Positive Formulierungen (Note 1-2)

"hat sich mit großem Engagement eingesetzt"

Sehr engagiert, überdurchschnittliche Leistung

"arbeitete stets selbstständig und zuverlässig"

Eigeninitiative, verlässlich – Note 1-2

"wurde von Vorgesetzten und Kollegen geschätzt"

Gutes Sozialverhalten – wichtig: Reihenfolge Vorgesetzte zuerst!

"hat unsere Erwartungen übertroffen"

Hervorragende Leistung – Note 1

Neutrale Formulierungen (Note 3-4)

"hat die übertragenen Aufgaben ordnungsgemäß erledigt"

Hat nur das Nötigste getan – Note 4

"zeigte Interesse an der Arbeit"

Interesse ja, Leistung nein – Note 4-5

"war um eine sorgfältige Arbeit bemüht"

'Bemüht' = hat es versucht, aber nicht geschafft – Note 5

"hat sich im Rahmen seiner Fähigkeiten eingesetzt"

Fähigkeiten waren begrenzt – Note 4-5

Negative Formulierungen (Note 5-6)

"war stets bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden"

Hat es nie geschafft – Note 6

"hat sich mit den Aufgaben auseinandergesetzt"

Hat sich damit beschäftigt, ohne Ergebnis – Note 5-6

"war bei Kollegen beliebt"

Ohne Erwähnung der Vorgesetzten = Probleme mit Autorität

"zeigte Verständnis für die Arbeit"

Verständnis ohne Umsetzung – Note 5

Warnsignale erkennen

Manche Formulierungen sind echte rote Flaggen. Wenn du diese in deinem Zeugnis findest, solltest du handeln:

'Bemühungen' statt 'Leistungen'

Wer sich nur bemüht hat, hat es nicht geschafft. 'Er war stets bemüht' ist die schlechteste Note überhaupt.

'Geselligkeit' oder 'Kontaktfreudigkeit'

Kann bedeuten: Hat zu viel geredet, war unproduktiv, oder hatte Alkoholprobleme.

'Einfühlungsvermögen gegenüber Kollegen'

Kann auf sexuelle Belästigung oder unangemessenes Verhalten hindeuten.

Fehlende Standardbausteine

Fehlt die Verhaltensbeurteilung, die Schlussformel oder der Dank? Das ist absichtlich negativ.

Durchgehend passive Formulierungen

'Wurde eingesetzt', 'Ihm wurden Aufgaben übertragen' – zeigt mangelnde Eigeninitiative.

Falsche Reihenfolge

Wird das Verhalten vor der Leistung genannt? Oder Kollegen vor Vorgesetzten? Das ist ein negatives Signal.

Häufige Fehler im Arbeitszeugnis

Nicht jede Schwäche im Zeugnis ist Absicht. Manchmal machen Arbeitgeber auch einfach Fehler:

Unvollständiges Zeugnis

Es fehlen wichtige Tätigkeiten, Beförderungen oder Qualifikationen, die du erworben hast.

Lösung: Fordere eine Ergänzung an. Liste konkret auf, was fehlt.

Falsche Daten

Eintrittsdatum, Austrittsdatum oder Jobtitel stimmen nicht.

Lösung: Das ist ein formaler Fehler – muss korrigiert werden. Schriftlich reklamieren.

Rechtschreib- und Grammatikfehler

Fehler signalisieren mangelnde Wertschätzung – oder werden als verstecktes negatives Signal gedeutet.

Lösung: Bestehe auf ein fehlerfreies Zeugnis. Das ist dein Recht.

Unprofessionelles Aussehen

Flecken, Knicke, falsches Briefpapier – das Zeugnis muss auf Firmenpapier und einwandfrei sein.

Lösung: Fordere ein Neuaustellung auf korrektem Papier.

Fehlende oder falsche Unterschrift

Das Zeugnis muss vom Vorgesetzten oder der Geschäftsführung unterschrieben sein.

Lösung: Ohne Unterschrift ist das Zeugnis ungültig – nachholen lassen.

Dein Zeugnis prüfen – Checkliste

Gehe diese Punkte durch, um dein Arbeitszeugnis selbst zu bewerten:

Vollständigkeit prüfen

  • Sind alle deine Tätigkeiten aufgeführt?
  • Werden Beförderungen erwähnt?
  • Sind Fortbildungen und Qualifikationen genannt?
  • Enthält es eine Leistungsbeurteilung?
  • Enthält es eine Verhaltensbeurteilung?

Bewertung einordnen

  • Welche Note steckt in der Leistungsformel? (1-6)
  • Gibt es Verstärker wie 'stets' und 'vollsten'?
  • Wird das Verhalten gegenüber Vorgesetzten UND Kollegen erwähnt?
  • Steht die Leistung VOR dem Verhalten?
  • arbeitszeugnisGuide.pruefen.checklist.bewertung.items.5

Schlussformel analysieren

  • Wird dir für die Zusammenarbeit gedankt?
  • Werden dir gute Wünsche ausgesprochen?
  • Wird das 'Bedauern über das Ausscheiden' erwähnt?
  • Wird dir 'weiterhin viel Erfolg' gewünscht?
  • arbeitszeugnisGuide.pruefen.checklist.schluss.items.5

Warnsignale checken

  • Gibt es 'bemüht'-Formulierungen?
  • Fehlen wichtige Standardbausteine?
  • Sind passive Formulierungen auffällig häufig?
  • Stimmt die Reihenfolge der Elemente?
  • arbeitszeugnisGuide.pruefen.checklist.warnsignale.items.5

Was tun bei schlechtem Zeugnis?

Du hast dein Zeugnis geprüft und bist nicht zufrieden? Das sind deine Optionen:

1

Gespräch suchen

Sprich zuerst mit deinem Vorgesetzten oder HR. Erkläre sachlich, welche Formulierungen du geändert haben möchtest und warum.

2

Schriftlich anfordern

Wenn das Gespräch nicht hilft: Schicke eine schriftliche Korrekturanforderung. Liste konkret auf, was geändert werden soll.

3

Frist setzen

Setze eine angemessene Frist (2-3 Wochen). Weise darauf hin, dass du rechtliche Schritte prüfst, wenn keine Korrektur erfolgt.

4

Rechtliche Hilfe holen

Bei einer Note 4 oder schlechter hast du gute Chancen vor Gericht. Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht kann helfen.

Deine Rechte

  • Du hast Anspruch auf mindestens eine Note 3 ('befriedigend') – es sei denn, der Arbeitgeber kann schlechtere Leistungen nachweisen.
  • Du kannst Korrekturen bei faktischen Fehlern verlangen.
  • Bei groben Mängeln kannst du eine komplette Neuaustellung fordern.
  • Die Frist für eine Zeugnisklage beträgt in der Regel 3 Jahre.

Lade dein Arbeitszeugnis hoch

Unsere KI entschlüsselt die versteckten Codes und zeigt dir die wahre Bewertung – kostenlos und in Sekunden.

Dokument hochladen

Vertrag, Behördenbrief oder AGB – wir markieren das Wichtige

Keine Rechtsberatung · Nur Sprachübersetzung

Weitere Ratgeber

Häufige Fragen zum Arbeitszeugnis

Habe ich einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis?

Ja, jeder Arbeitnehmer hat einen gesetzlichen Anspruch auf ein schriftliches Arbeitszeugnis. Das gilt auch für Praktikanten, Werkstudenten und Minijobber.

Wie lange kann ich ein Zeugnis anfordern?

Der Anspruch verjährt nach 3 Jahren. Aber: Je länger du wartest, desto schwieriger wird es für den Arbeitgeber, ein korrektes Zeugnis zu erstellen. Fordere es direkt bei Austritt an.

Welche Note ist durchschnittlich?

Die durchschnittliche Note in deutschen Arbeitszeugnissen liegt bei 2,0-2,5 ('gut'). Eine Note 3 gilt bereits als unterdurchschnittlich, Note 4 als schlecht.

Kann ich ein einfaches statt qualifiziertes Zeugnis verlangen?

Ja, du kannst wählen. Ein einfaches Zeugnis enthält keine Bewertung – das kann sinnvoll sein, wenn du ein schlechtes qualifiziertes Zeugnis vermeiden willst.

Wann sollte ich ein Zwischenzeugnis anfordern?

Bei Vorgesetztenwechsel, interner Versetzung, längerer Abwesenheit (Elternzeit) oder wenn Gerüchte über Entlassungen kursieren. Lieber zu früh als zu spät.

Kann ich mein Zeugnis selbst schreiben?

Oft bitten Arbeitgeber darum. Das ist legal. Achte auf die korrekte Zeugnissprache – ein zu gutes Zeugnis ist genauso problematisch wie ein zu schlechtes.

Kann das Zeugnis elektronisch sein?

Nein, du hast Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis auf Papier mit Originalunterschrift. Eine E-Mail oder PDF reicht nicht aus.

Darf der Arbeitgeber negative Wahrheiten schreiben?

Ja, wenn sie wahr und relevant sind. Aber: Es darf nur das erwähnt werden, was für zukünftige Arbeitgeber wichtig ist. Einmalige Verfehlungen dürfen meist nicht erwähnt werden.

Darf Krankheit im Zeugnis erwähnt werden?

Grundsätzlich nein. Ausnahme: Wenn die Krankheit so lang war, dass sie die Leistungsbeurteilung unmöglich macht, darf die Dauer der Fehlzeiten erwähnt werden.

Was, wenn die Schlussformel fehlt?

Eine fehlende Schlussformel (Dank, gute Wünsche) ist ein bewusst negatives Signal. Du hast keinen rechtlichen Anspruch darauf, aber solltest es ansprechen.

Hinweis: Klaro übersetzt dein Arbeitszeugnis in verständliche Sprache. Dies ist keine Rechtsberatung. Bei konkreten arbeitsrechtlichen Fragen wende dich an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.