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Einvernehmliche Kündigung

verstehen

Du hast eine einvernehmliche Auflösung bekommen oder überlegst, eine zu unterschreiben? Hier erfährst du, worauf du achten musst – Abfertigung, Urlaub, AMS und mehr.

Was ist eine einvernehmliche Kündigung?

Eine einvernehmliche Kündigung (auch: einvernehmliche Auflösung) ist eine gemeinsame Vereinbarung zwischen dir und deinem Arbeitgeber, das Arbeitsverhältnis zu beenden. Beide Seiten müssen zustimmen – niemand wird "gekündigt" im klassischen Sinn.

Der Unterschied zur normalen Kündigung

Kündigung durch Arbeitgeber

  • Einseitige Entscheidung des Arbeitgebers
  • Kündigungsfristen müssen eingehalten werden
  • Kündigungsschutz greift (bei Betriebsrat, Schwangerschaft etc.)
  • Du hast sofort Anspruch auf AMS

Einvernehmliche Auflösung

  • Beide Seiten müssen zustimmen
  • Kündigungsfristen können umgangen werden
  • Kündigungsschutz entfällt (auch bei Schwangerschaft!)
  • AMS-Sperre möglich, wenn du selbst initiiert hast

⚠️ Vorsicht bei Druck

Wenn dein Arbeitgeber dich drängt, "freiwillig" zu unterschreiben: Das ist keine echte Einvernehmlichkeit! Du hast das Recht, dir Zeit zu nehmen und das Dokument prüfen zu lassen.

Infografik: 5 Schritte von der Vereinbarung bis zum AMS

Vorteile und Nachteile

Eine einvernehmliche Auflösung kann für beide Seiten Vorteile haben – aber sie hat auch Risiken, die du kennen solltest.

Vorteile für dich

  • Schnellerer Austritt möglich (keine Kündigungsfrist)
  • Oft bessere Konditionen verhandelbar (Abfertigung, Dienstzeugnis)
  • Kein "Gekündigt werden" im Lebenslauf
  • Flexibler Endtermin verhandelbar

Nachteile und Risiken

  • AMS-Sperre möglich (4 Wochen kein Arbeitslosengeld)
  • Kündigungsschutz entfällt komplett
  • Schwer rückgängig zu machen nach Unterschrift
  • Oft Verzicht auf weitere Ansprüche

💡 Tipp

Unterschreibe nie unter Druck und nie am selben Tag! Nimm dir mindestens 24 Stunden Bedenkzeit und lass das Dokument von der Arbeiterkammer prüfen.

Arbeitslosenquote Österreich 2019–2025

Höhere Arbeitslosigkeit = mehr einvernehmliche Auflösungen auf Initiative des Arbeitgebers

Quelle: Statistik Austria, AMS · *2025: Prognose

Typische Klauseln im Dokument

Eine einvernehmliche Auflösung ist meist 1-2 Seiten lang. Diese Klauseln findest du fast immer:

1. Beendigungsdatum

Das Dienstverhältnis wird einvernehmlich mit Ablauf des 31.03.2026 aufgelöst.

Das ist der letzte Tag, an dem du offiziell angestellt bist. Ab dem Folgetag kannst du dich beim AMS melden.

2. Abfertigung

Der Dienstgeber leistet eine freiwillige Abfertigung in Höhe von drei Bruttomonatsgehältern.

Das ist Geld, das du zusätzlich zu deinem letzten Gehalt bekommst. Bei Abfertigung NEU (Beginn ab 2003) hast du automatisch Ansprüche in der Mitarbeitervorsorgekasse.

3. Urlaubsersatzleistung

Der offene Resturlaub von 8 Werktagen wird in Form einer Urlaubsersatzleistung abgegolten.

Nicht verbrauchter Urlaub wird ausbezahlt. Rechne nach: Hast du wirklich nur 8 Tage offen, oder sind es mehr?

4. Dienstzeugnis

Der Dienstgeber verpflichtet sich zur Ausstellung eines wohlwollenden qualifizierten Dienstzeugnisses.

"Wohlwollend" und "qualifiziert" sind wichtige Wörter! Ein qualifiziertes Zeugnis beschreibt deine Leistung, ein einfaches nur die Tätigkeiten.

5. Freistellung

Der Dienstnehmer wird ab sofort unter Fortzahlung der Bezüge von der Arbeitsleistung freigestellt.

Du musst nicht mehr arbeiten, bekommst aber weiter Gehalt. Klingt gut – aber prüfe, ob du trotzdem bestimmte Pflichten hast.

6. Generalklausel (Verzicht)

Mit dieser Vereinbarung sind sämtliche wechselseitigen Ansprüche aus dem Dienstverhältnis bereinigt und verglichen.

⚠️ Vorsicht! Das bedeutet, du verzichtest auf ALLE weiteren Ansprüche. Auch auf solche, die du vielleicht noch gar nicht kennst (Überstunden, Prämien etc.).

7. Konkurrenzklausel

Die im Dienstvertrag vereinbarte Konkurrenzklausel bleibt aufrecht.

Wenn im ursprünglichen Arbeitsvertrag eine Konkurrenzklausel steht, kann sie hier aufrechterhalten oder aufgehoben werden. Lass das prüfen!

8. Verschwiegenheit

Der Dienstnehmer verpflichtet sich, über den Inhalt dieser Vereinbarung Stillschweigen zu bewahren.

Du darfst nicht erzählen, was du bekommen hast (Abfertigung etc.). Oft üblich, aber überlege, ob das für dich OK ist.

Infografik: Vergleich Kündigung vs. Einvernehmliche Auflösung

Abfertigung: Alt vs. Neu

In Österreich gibt es zwei Abfertigungssysteme. Welches für dich gilt, hängt davon ab, wann du angefangen hast zu arbeiten.

Abfertigung ALT

Dienstverhältnisse begonnen VOR 1. Jänner 2003

Bei Abfertigung Alt zahlt der Arbeitgeber direkt bei Beendigung. Der Anspruch hängt von der Dauer ab:

DienstjahreAbfertigung
3 Jahre2 Monatsgehälter
5 Jahre3 Monatsgehälter
10 Jahre4 Monatsgehälter
15 Jahre6 Monatsgehälter
20 Jahre9 Monatsgehälter
25 Jahre12 Monatsgehälter

⚠️ Bei einvernehmlicher Auflösung hast du vollen Anspruch auf Abfertigung Alt! Bei Selbstkündigung würdest du sie verlieren.

Abfertigung NEU

Dienstverhältnisse begonnen AB 1. Jänner 2003

Bei Abfertigung Neu zahlt dein Arbeitgeber monatlich 1,53% deines Bruttogehalts in eine Mitarbeitervorsorgekasse (MVK). Das Geld gehört dir – auch bei einvernehmlicher Auflösung!

Was passiert mit dem Geld?

  • Weiter ansparen (bei neuem Job oder Selbstständigkeit)
  • Auszahlung (frühestens nach 3 Jahren Einzahlung, 6% Kapitalertragsteuer)
  • Bis zur Pension liegen lassen (volle Summe steuerfrei)

💡 Tipp: Log dich bei deiner MVK ein und prüfe deinen aktuellen Kontostand!

Urlaubsersatzleistung

Nicht verbrauchter Urlaub muss bei einvernehmlicher Auflösung ausbezahlt werden. So rechnest du:

Berechnung

Urlaubsersatzleistung = (Jahresurlaub ÷ 12) × gearbeitete Monate im Jahr − verbrauchter Urlaub

Beispiel

Anna hat 25 Urlaubstage pro Jahr, arbeitet bis 31. März (= 3 Monate) und hat 2 Tage verbraucht.

(25 ÷ 12) × 3 − 2 = 6,25 − 2 = 4,25 Tage

Anna bekommt 4,25 Tage ausbezahlt.

Das solltest du checken

  • Stimmt der angegebene Resturlaub?
  • Sind Urlaubstage aus dem Vorjahr berücksichtigt?
  • Wurde der Urlaub korrekt in Werktagen oder Arbeitstagen berechnet?
  • Ist das Urlaubsentgelt (mit Zulagen, Überstunden etc.) korrekt berechnet?

Dienstzeugnis

Du hast einen gesetzlichen Anspruch auf ein Dienstzeugnis. In der einvernehmlichen Auflösung kannst du festlegen, welche Art von Zeugnis du bekommst.

Arten von Dienstzeugnissen

Einfaches Dienstzeugnis

Enthält nur: Name, Dauer der Beschäftigung, Art der Tätigkeit. Keine Bewertung.

Qualifiziertes Dienstzeugnis

Enthält zusätzlich: Bewertung deiner Leistung und deines Verhaltens. Das wollen die meisten!

Geheimcodes im Dienstzeugnis

Dienstzeugnisse verwenden versteckte Formulierungen. So entschlüsselst du sie:

FormulierungBedeutung
"...stets zu unserer vollsten Zufriedenheit..."Sehr gut (Note 1)
"...stets zu unserer vollen Zufriedenheit..."Gut (Note 2)
"...zu unserer vollen Zufriedenheit..."Befriedigend (Note 3)
"...zu unserer Zufriedenheit..."Ausreichend (Note 4)
"...hat sich bemüht..."Mangelhaft (Note 5)

⚠️ Auch "wohlwollend" vereinbart? Lass das Zeugnis vor Unterschrift der Auflösung prüfen – nachher hast du weniger Handhabe!

AMS und Arbeitslosengeld

Bei einvernehmlicher Auflösung kann das AMS eine Sperre verhängen. So vermeidest du sie:

Wann droht eine Sperre?

Das AMS kann 4 Wochen Sperre verhängen, wenn du das Arbeitsverhältnis "ohne wichtigen Grund selbst gelöst" hast.

⚠️ Sperre wahrscheinlich:

  • Du hast die Auflösung selbst vorgeschlagen
  • Du hattest keine konkreten Probleme im Job
  • Du wolltest einfach "etwas Neues"

✅ Keine Sperre:

  • Arbeitgeber hat die Auflösung initiiert
  • Gesundheitliche Gründe (mit Attest)
  • Mobbing oder unzumutbare Arbeitsbedingungen
  • Unbezahlte Überstunden, ausstehende Gehälter
  • Kinderbetreuung nicht mehr möglich

So vermeidest du die Sperre

  • Dokumentiere, wenn der Arbeitgeber die Auflösung vorgeschlagen hat
  • Sammle Beweise für Probleme (E-Mails, Arztatteste)
  • Melde dich sofort beim AMS – auch schon vor dem letzten Arbeitstag
  • Sei beim AMS ehrlich, aber formuliere klug

AMS-Anmeldung

Melde dich spätestens am ersten Tag nach Beendigung beim AMS. Besser: Schon vorher online voranmelden auf ams.at.

Beschäftigung nach Branchen in Österreich

Veränderung Q3/2024 vs. Vorjahr – in schrumpfenden Branchen mehr einvernehmliche Auflösungen

Wachstum (mehr Einstellungen)
Rückgang (mehr Auflösungen)

Quelle: Statistik Austria – Arbeitsmarkt im 3. Quartal 2024

Konkurrenzklausel

Hat dein Arbeitsvertrag eine Konkurrenzklausel? Dann check genau, was in der Auflösungsvereinbarung steht!

Was ist eine Konkurrenzklausel?

Eine Vereinbarung, dass du nach Beendigung für eine bestimmte Zeit (meist 6-12 Monate) nicht bei der Konkurrenz arbeiten darfst.

Wann ist sie ungültig?

  • Wenn der Arbeitgeber kündigt (nicht bei einvernehmlicher Auflösung!)
  • Wenn du weniger als das 20-fache der täglichen ASVG-Höchstbeitragsgrundlage verdienst (2026: ca. € 4.440 brutto/Monat)
  • Wenn sie länger als 1 Jahr dauert
  • Wenn sie zu weit gefasst ist ("keine Tätigkeit in der gesamten Branche")

💡 Tipp zur Verhandlung

Bei einvernehmlicher Auflösung kannst du verhandeln, dass die Konkurrenzklausel aufgehoben wird! Das ist ein wichtiger Verhandlungspunkt.

Checkliste vor der Unterschrift

Bevor du unterschreibst, geh diese Punkte durch:

1

Beendigungsdatum geprüft?

Passt das Datum zu deinen Plänen? Neuer Job, AMS-Meldung etc.

2

Abfertigung korrekt?

Abfertigung Alt: Steht dir etwas zu? Abfertigung Neu: MVK-Info angefordert?

3

Urlaub nachgerechnet?

Stimmt der Resturlaub? Auch Vorjahresreste berücksichtigt?

4

Dienstzeugnis festgelegt?

"Qualifiziert" und "wohlwollend" vereinbart? Am besten: Zeugnis VOR Unterschrift sehen!

5

Generalklausel verstanden?

Weißt du, auf welche Ansprüche du verzichtest? Überstunden, Prämien, Boni?

6

Konkurrenzklausel gecheckt?

Bleibt sie aufrecht oder wird sie aufgehoben?

7

AMS-Risiko bedacht?

Wer hat die Auflösung initiiert? Hast du Gründe dokumentiert?

8

Bedenkzeit genommen?

Nie am selben Tag unterschreiben! Mindestens 24h, besser: Arbeiterkammer fragen.

9

Freistellung klar?

Musst du noch arbeiten oder bist du freigestellt? Unter welchen Bedingungen?

10

Alles schriftlich?

Nur was im Dokument steht, gilt. Mündliche Zusagen sind wertlos!

Einvernehmliche Auflösung bekommen?

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Kündigung und einvernehmlicher Auflösung?

Bei einer Kündigung entscheidet eine Seite allein (Arbeitgeber oder Arbeitnehmer). Bei einer einvernehmlichen Auflösung müssen beide zustimmen. Der Vorteil: Ihr könnt die Bedingungen frei verhandeln. Der Nachteil: Du verzichtest auf Kündigungsschutz.

Bekomme ich eine AMS-Sperre bei einvernehmlicher Kündigung?

Möglich. Das AMS kann 4 Wochen Sperre verhängen, wenn du die Auflösung selbst vorgeschlagen hast ohne wichtigen Grund. Wenn der Arbeitgeber initiiert hat oder du wichtige Gründe nachweisen kannst (Gesundheit, Mobbing etc.), gibt es keine Sperre.

Habe ich Anspruch auf Abfertigung bei einvernehmlicher Auflösung?

Ja! Bei Abfertigung Alt (vor 2003 begonnen) hast du vollen Anspruch. Bei Abfertigung Neu gehört das Geld in der MVK sowieso dir. Bei einvernehmlicher Auflösung verlierst du keinen Abfertigungsanspruch – anders als bei Selbstkündigung.

Kann ich eine einvernehmliche Kündigung rückgängig machen?

Sehr schwierig. Nach Unterschrift ist die Vereinbarung grundsätzlich bindend. Nur bei Irrtum, Drohung oder arglistiger Täuschung kannst du anfechten. Deshalb: Nie unter Druck unterschreiben!

Was passiert mit meinem Resturlaub?

Offener Urlaub wird als Urlaubsersatzleistung ausbezahlt. Prüfe genau, ob die angegebenen Tage stimmen und ob Vorjahresreste berücksichtigt wurden.

Was ist mit meinem Kündigungsschutz?

Der entfällt komplett! Auch Schwangere, Betriebsräte oder Menschen in Elternkarenz können eine einvernehmliche Auflösung unterschreiben – dann ist der Schutz weg. Gut überlegen!

Muss ich eine Kündigungsfrist einhalten?

Nein, das ist ja der Vorteil! Bei einvernehmlicher Auflösung könnt ihr das Enddatum frei wählen – sogar "ab sofort". Die gesetzlichen Kündigungsfristen gelten nicht.

Bekomme ich automatisch ein Dienstzeugnis?

Du hast einen gesetzlichen Anspruch auf ein einfaches Dienstzeugnis. Für ein qualifiziertes (mit Bewertung) solltest du das in der Vereinbarung festhalten. Am besten: "wohlwollendes qualifiziertes Dienstzeugnis" vereinbaren.

Gilt eine mündliche Vereinbarung?

Rechtlich ja, aber praktisch nicht nachweisbar. Eine einvernehmliche Auflösung sollte IMMER schriftlich sein. Was nicht im Dokument steht, existiert nicht.

Wie viel Bedenkzeit habe ich?

Es gibt keine gesetzliche Frist, aber: Unterschreibe nie unter Druck! Du kannst das Dokument mitnehmen und von der Arbeiterkammer prüfen lassen. Seriöse Arbeitgeber geben dir mindestens einige Tage.

Kann die Arbeiterkammer die Vereinbarung prüfen?

Ja, unbedingt nutzen! Die AK-Rechtsberatung ist für Mitglieder kostenlos und kann dir sagen, ob die Vereinbarung fair ist. Online Termin vereinbaren auf arbeiterkammer.at.

Gilt meine Konkurrenzklausel weiter?

Kommt drauf an, was in der Auflösung steht! Wenn nichts dazu steht, gilt der ursprüngliche Arbeitsvertrag. Du kannst aber verhandeln, dass die Konkurrenzklausel aufgehoben wird.

Was wenn ich im Krankenstand bin?

Auch im Krankenstand kannst du eine einvernehmliche Auflösung unterschreiben. Aber Vorsicht: Krankengeld endet mit Ende des Dienstverhältnisses. Lass dich vorher bei der ÖGK beraten!

Kann ich als Schwangere eine einvernehmliche Auflösung unterschreiben?

Ja, aber du gibst damit deinen besonderen Kündigungsschutz auf! Überlege sehr gut, ob du das willst. Die Arbeiterkammer kann dich beraten.

Wie wird die Abfertigung versteuert?

Abfertigung ist begünstigt besteuert (6% Lohnsteuer statt normalem Steuersatz). Das gilt für Abfertigung Alt und für freiwillige Abfertigungen. Die Abfertigung Neu in der MVK ist bei Auszahlung mit 6% KESt zu versteuern.

Diese Informationen dienen nur zur allgemeinen Orientierung und ersetzen keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen wende dich an die Arbeiterkammer oder einen Rechtsanwalt.