Seit 30. September 2021 gelten in Österreich einheitliche Kündigungsfristen für alle Arbeitnehmer – die alte Unterscheidung zwischen Arbeitern und Angestellten ist Geschichte.
USP.gv.at, 2024
Kündigung in Österreich verstehen
Der klaro.legal Podcast zu Arbeitsrecht
Kündigung in Österreich verstehen
Was ist eine Kündigung in Österreich?
Eine **Kündigung** ist die einseitige Beendigung des Arbeitsverhältnisses durch eine Vertragspartei. Anders als bei einer einvernehmlichen Auflösung muss nur eine Seite zustimmen – entweder du oder dein Arbeitgeber.

Die rechtliche Definition
Nach § 20 Angestelltengesetz (AngG) kann das Dienstverhältnis von beiden Seiten unter Einhaltung der Kündigungsfrist gekündigt werden. Seit der Harmonisierung 2021 gelten diese Regeln für alle Arbeitnehmer – egal ob früher "Arbeiter" oder "Angestellter".
Zwei Arten der Kündigung
**Ordentliche Kündigung:** Mit Einhaltung der Kündigungsfrist und zu bestimmten Terminen. Das ist der Normalfall. **Außerordentliche Kündigung:** Ohne Frist bei wichtigen Gründen (entspricht einer Entlassung durch den Arbeitgeber oder einem Austritt durch dich).
Kündigung vs. andere Beendigungsarten
**Entlassung:** Sofortige Beendigung durch den Arbeitgeber bei schwerem Fehlverhalten (§ 27 AngG). **Austritt:** Sofortige Beendigung durch dich bei wichtigen Gründen (§ 26 AngG). **Befristung:** Das Arbeitsverhältnis endet automatisch am vereinbarten Datum.
Was änderte sich 2021?
Früher hatten Arbeiter kürzere Kündigungsfristen als Angestellte. Seit 30. September 2021 gelten für alle die gleichen Fristen. Das brachte für viele Arbeiter eine Verbesserung – längere Kündigungsfristen bedeuten mehr Planungssicherheit.
Arbeitnehmer vs. Arbeitgeber Kündigung – Der Unterschied
Ob du kündigst oder gekündigt wirst, macht einen großen Unterschied – rechtlich und praktisch. Hier die wichtigsten Unterschiede:
Wenn DU kündigst (Arbeitnehmerkündigung)
**Kündigungsfrist:** Immer 1 Monat zum Monatsende – egal wie lange du schon arbeitest. **Kündigungsschutz:** Du brauchst keinen Grund und hast keine Beschränkungen. **Abfertigung Alt:** Verlierst du komplett (außer bei wichtigem Grund). **AMS:** Möglicherweise 4 Wochen Sperre beim Arbeitslosengeld.
Wenn der ARBEITGEBER kündigt
**Kündigungsfrist:** Abhängig von deinen Dienstjahren (1-5 Monate). **Kündigungsschutz:** Kann greifen (Schwangerschaft, Behinderung, Betriebsrat). **Abfertigung Alt:** Behältst du in vollem Umfang. **AMS:** Keine Sperre, sofortiger Anspruch auf Arbeitslosengeld.
Verschiedene Kündigungstermine
**Du kündigst:** Immer zum Monatsende. Kündigst du am 15. März mit 1 Monat Frist, endest du am 30. April. **Arbeitgeber kündigt:** Je nach Kollektivvertrag zum Monats- oder Quartalsende. In vielen KVs ist Quartalsende üblich (31.3., 30.6., 30.9., 31.12.).
Beispiel für den Unterschied
**Situation:** Maria arbeitet seit 8 Jahren im Unternehmen. **Maria kündigt am 1. Oktober:** Kündigungsfrist 1 Monat, Ende am 31. Oktober. Verliert Abfertigung Alt. **Arbeitgeber kündigt Maria am 1. Oktober:** Kündigungsfrist 2 Monate, Ende am 31. Dezember (Quartalsende). Maria behält Abfertigung.
Du findest detaillierte Informationen zu Abfertigung bei Kündigung und Arbeitslosengeld nach der Kündigung in unseren Ratgebern zur einvernehmlichen Kündigung und zum Arbeitsvertrag in Österreich.
Kündigungsfristen in Österreich berechnen
Die **Kündigungsfristen** hängen davon ab, wer kündigt und wie lange das Arbeitsverhältnis dauert. Seit 2021 gelten einheitliche Regeln für alle Arbeitnehmer.
Kündigungsfristen für Arbeitgeber nach Dienstjahren
Quelle: Statistik Austria 2024

Deine Kündigungsfrist als Arbeitnehmer
**Immer 1 Monat zum Monatsende** – egal ob du 1 Jahr oder 20 Jahre arbeitest. Diese Frist kann durch Kollektivvertrag oder Arbeitsvertrag verlängert werden, aber nie verkürzt. Kündigst du am 15. Mai, endet dein Arbeitsverhältnis am 30. Juni.
Kündigungsfristen für Arbeitgeber nach Dienstjahren
**Tabelle der gesetzlichen Mindestfristen:** **Bis 2 Jahre:** 6 Wochen zum 15. oder Monatsende **2-5 Jahre:** 2 Monate zum Monats- oder Quartalsende **5-15 Jahre:** 3 Monate zum Monats- oder Quartalsende **15-25 Jahre:** 4 Monate zum Monats- oder Quartalsende **Über 25 Jahre:** 5 Monate zum Monats- oder Quartalsende
Kollektivvertrag kann mehr vorsehen
Viele Kollektivverträge haben längere Fristen oder andere Kündigungstermine. Beispiel Handel: Arbeitgeber können oft nur zum Quartalsende kündigen. Schau in deinen Kollektivvertrag oder frag beim Betriebsrat nach!
Berechnungsbeispiel
**Thomas arbeitet seit 6 Jahren, wird am 10. März gekündigt:** Kündigungsfrist: 3 Monate. Kündigungstermin laut KV: Quartalsende. Nächster Quartalstermin nach 3 Monaten: 30. September. Thomas arbeitet bis 30. September.
Besonderheit Probezeit
In der **Probezeit** (max. 1 Monat) können beide Seiten mit verkürzter Frist kündigen – oft 1 Woche oder 14 Tage. Nach der Probezeit gelten die normalen Kündigungsfristen.
Kündigungstermine verstehen
Nicht jeder Tag ist ein gültiger **Kündigungstermin**. Das Gesetz und Kollektivverträge legen fest, zu welchen Terminen gekündigt werden kann.
Gesetzliche Kündigungstermine
**Für Arbeitnehmer:** Immer zum Monatsende (30./31. des Monats). **Für Arbeitgeber bei unter 2 Jahren:** Zum 15. oder Monatsende. **Für Arbeitgeber ab 2 Jahren:** Zum Monats- oder Quartalsende, je nach Kollektivvertrag.
Was bedeutet Quartalsende?
**Quartalsende** sind die letzten Tage der Quartale: **Q1:** 31. März, **Q2:** 30. Juni, **Q3:** 30. September, **Q4:** 31. Dezember. Viele Kollektivverträge sehen Quartalsende vor – das schützt Arbeitnehmer vor häufigen Kündigungen.
Frist + Termin richtig berechnen
**Schritt 1:** Kündigungsfrist ermitteln (z.B. 2 Monate). **Schritt 2:** Kündigungstermin im KV nachsehen (Monats- oder Quartalsende). **Schritt 3:** Nächstmöglichen Termin nach Ablauf der Frist finden. Nicht der erste mögliche Termin, sondern der erste nach Ablauf der Mindestfrist!
Praktische Beispiele
**Beispiel 1:** Kündigung am 1. Februar, 2 Monate Frist, Quartalsende. Frist läuft bis 1. April, nächster Quarterstermin: 30. Juni. **Beispiel 2:** Kündigung am 20. Juli, 3 Monate Frist, Monatsende. Frist läuft bis 20. Oktober, nächster Monatsendtermin: 31. Oktober.
Kollektivvertrag checken
**Wichtig:** Schau in deinen Kollektivvertrag! Manche Branchen haben Besonderheiten. Beispiel: Im Handel oft nur Quartalsende, im öffentlichen Dienst manchmal andere Regelungen. Bei Unsicherheit: Arbeiterkammer fragen.
Kündigung schriftlich oder mündlich – Was gilt?
Grundsätzlich kann eine **Kündigung mündlich** ausgesprochen werden. Aber Vorsicht: Was nicht beweisbar ist, kann zu Problemen führen.
Was sagt das Gesetz?
**Keine Schriftform vorgeschrieben:** Das Angestelltengesetz verlangt keine schriftliche Kündigung. Eine mündliche Kündigung ist rechtlich gültig. **Aber:** Der Beweis ist schwierig. Wer hat was wann gesagt? Zeugen vorhanden?
Arbeitsvertrag und Kollektivvertrag können Schriftform verlangen
Viele **Arbeitsverträge** enthalten Klauseln wie "Kündigungen bedürfen der Schriftform". Auch **Kollektivverträge** können das vorsehen. Dann ist eine mündliche Kündigung unwirksam!
Was empfiehlt die Praxis?
**Immer schriftlich!** Auch wenn nicht vorgeschrieben. **Für Arbeitnehmer:** E-Mail oder Brief mit Empfangsbestätigung. **Für Arbeitgeber:** Einschreiben oder persönliche Übergabe gegen Empfangsbestätigung.
Was tun bei mündlicher Kündigung?
**Sofort schriftlich bestätigen lassen:** "Hiermit bestätige ich, dass Sie mir heute mündlich die Kündigung zum [Datum] ausgesprochen haben." **Zeugen benennen:** Wer war dabei? **E-Mail nachfassen:** Zur Dokumentation.
Was muss in die Kündigung?
**Eindeutige Erklärung:** "Hiermit kündige ich..." **Kündigungsfrist:** "...unter Einhaltung der Kündigungsfrist von..." **Enddatum:** "...zum [konkretes Datum]." **Unterschrift und Datum** (bei schriftlicher Kündigung).
Kündigung per E-Mail oder WhatsApp – Ist das gültig?
Die **digitale Kündigung** wird immer häufiger. Aber ist sie rechtlich wirksam? Das kommt auf den Einzelfall an.
Kündigung per E-Mail
**Grundsätzlich möglich:** E-Mail ist eine schriftliche Erklärung. **Voraussetzungen:** Eindeutige Absenderidentifikation, klarer Kündigungswille, konkretes Enddatum. **Risiko:** Technische Probleme, Spam-Filter, nachträgliche Löschung. **Empfehlung:** Zusätzlich per Post oder Einschreiben.
Kündigung per WhatsApp oder SMS
**Rechtlich umstritten:** Gerichte sind uneinig. **Pro:** Schriftliche Nachricht, oft Screenshots möglich. **Contra:** Leicht manipulierbar, Absender nicht immer eindeutig identifizierbar. **Risiko sehr hoch:** Besser vermeiden und traditionelle Wege wählen.
Kündigung per Zoom/Teams
**Gilt als mündlich:** Auch wenn aufgezeichnet. **Problem:** Beweiswert umstritten, technische Ausfälle möglich. **Empfehlung:** Sofort schriftlich nachfassen mit "Hiermit bestätige ich unsere heutige Videokonferenz..."
So wird's rechtssicher
**Doppelt absichern:** Digitale Kündigung + Einschreiben. **Empfangsbestätigung:** Lesen-Bestätigung bei E-Mail aktivieren. **Screenshots:** Bei WhatsApp/SMS sofort Screenshots machen. **Nachfassen:** Bei fehlender Antwort telefonisch nachfragen.
Klare Empfehlung
**Für wichtige Kündigungen:** Immer klassisch schriftlich per Post/Einschreiben. **Digitale Kanäle:** Nur als zusätzliche, schnelle Information. **Niemals nur:** WhatsApp, SMS oder Social Media. **Bei Unsicherheit:** Arbeiterkammer oder Rechtsberatung fragen.
Einvernehmliche Kündigung vs normale Kündigung
Eine **einvernehmliche Auflösung** ist keine Kündigung im rechtlichen Sinn, wird aber oft verwechselt. Hier die wichtigsten Unterschiede:
Der grundlegende Unterschied
**Kündigung:** Eine Seite entscheidet allein, die andere muss es akzeptieren. **Einvernehmliche Auflösung:** Beide Seiten müssen zustimmen und können Bedingungen aushandeln.
Kündigungsfristen
**Normale Kündigung:** Gesetzliche Fristen müssen eingehalten werden (1-5 Monate). **Einvernehmliche Auflösung:** Keine Fristen! Ihr könnt auch "ab sofort" vereinbaren.
Kündigungsschutz
**Normale Kündigung:** Kündigungsschutz greift (Schwangerschaft, Behinderung, Betriebsrat). **Einvernehmliche Auflösung:** Kündigungsschutz entfällt komplett! Auch Schwangere können zustimmen.
Abfertigung und AMS
**Arbeitgeberkündigung:** Volle Abfertigung Alt, keine AMS-Sperre. **Arbeitnehmerkündigung:** Abfertigung Alt weg, AMS-Sperre möglich. **Einvernehmliche Auflösung:** Abfertigung bleibt, AMS-Sperre je nach Initiator möglich.
Verhandlungsmöglichkeiten
**Normale Kündigung:** Wenig Verhandlungsspielraum, gesetzliche Ansprüche gelten. **Einvernehmliche Auflösung:** Alles verhandelbar! Abfertigung, Dienstzeugnis, Konkurrenzklausel, Freistellung.
Wann ist was sinnvoll?
**Einvernehmlich sinnvoll:** Wenn du schnell weg willst, bessere Konditionen aushandelbar sind, oder Kündigungsschutz ohnehin nicht greift. **Normale Kündigung sinnvoll:** Bei Kündigungsschutz, wenn Arbeitgeber schlechte Bedingungen anbietet.
Kündigung ohne Grund – Ihre Rechte
In Österreich kann grundsätzlich **ohne Angabe von Gründen** gekündigt werden. Aber es gibt wichtige Ausnahmen und Schutzbestimmungen.
Kündigungsgründe in Österreich 2024
Quelle: Arbeiterkammer Österreich 2024

Grundsatz: Kündigung ohne Grund möglich
**Für Arbeitgeber:** Können grundsätzlich ohne Grund kündigen, müssen nur Fristen und Termine einhalten. **Für Arbeitnehmer:** Können jederzeit ohne Grund kündigen (1 Monat Frist zum Monatsende).
Wo sind die Grenzen?
**Diskriminierung verboten:** Kündigung wegen Geschlecht, Religion, Herkunft etc. ist rechtswidrig. **Motivkündigung:** Kündigung wegen Schwangerschaft, Behinderung, Betriebsratstätigkeit ist anfechtbar. **Sozialwidrigkeit:** Bei langer Betriebszugehörigkeit kann eine Kündigung sozialwidrig sein.
Diese Kündigungen sind anfechtbar
**Schwangerschaft:** Kündigung während Schwangerschaft bis 4 Monate nach Geburt. **Karenz:** Während Mutterschutz, Elternkarenz. **Behinderung:** Menschen mit Behinderung ab 50% Grad. **Betriebsrat:** Betriebsratsmitglieder und Kandidaten. **Präsenz-/Zivildienst:** Während und kurz nach dem Dienst.
Anfechtung: So geht's
**Frist:** Meist 2 Wochen nach Zugang der Kündigung beim Arbeits- und Sozialgericht klagen. **Kosten:** Für Arbeitnehmer meist kostenlos (Verfahrenshilfe). **Beweislast:** Arbeitgeber muss beweisen, dass die Kündigung nicht wegen des geschützten Umstands erfolgte.
Was tun bei verdächtiger Kündigung?
**Sofort reagieren:** 2-Wochen-Frist beachten! **Beweise sammeln:** E-Mails, Zeugen, Dokumente. **Beratung suchen:** Arbeiterkammer, Gewerkschaft, Rechtsanwalt. **Nicht abwarten:** Nach Fristablauf ist Anfechtung meist unmöglich.
Kündigungsschutz und Anfechtung
Der **Kündigungsschutz** schützt bestimmte Arbeitnehmergruppen vor ungerechtfertigten Kündigungen. Wer ist geschützt und wie funktioniert die Anfechtung?
Diese Gruppen sind besonders geschützt
**Schwangere:** Ab Bekanntgabe bis 4 Monate nach Geburt. **Menschen in Karenz:** Mutterschutz, Elternkarenz, Pflegekarenz. **Menschen mit Behinderung:** Ab 50% Behinderungsgrad nach 6 Monaten Beschäftigung. **Betriebsräte:** Während der Funktionsperiode plus Nachwirkungsschutz.
Weiterer Kündigungsschutz
**Präsenzdiener:** 6 Wochen vor bis 6 Wochen nach Präsenz-/Zivildienst. **Lehrlinge:** Besondere Regeln, Kündigung nur bei schweren Pflichtverletzungen. **Ältere Arbeitnehmer:** In manchen Kollektivverträgen ab 50 oder 55 Jahren.
Das Anfechtungsverfahren
**Wo:** Arbeits- und Sozialgericht am Arbeitsort. **Wann:** Meist binnen 2 Wochen nach Kündigungszugang. **Kosten:** Für Arbeitnehmer oft kostenlos (Verfahrenshilfe). **Dauer:** Meist 3-6 Monate bis zum Urteil.
Was passiert bei erfolgreicher Anfechtung?
**Kündigung unwirksam:** Du bist weiter angestellt. **Nachzahlung:** Entgangenes Gehalt muss nachgezahlt werden. **Weiterbeschäftigung:** Du kannst an den Arbeitsplatz zurückkehren. **Alternative:** Oft einvernehmliche Auflösung mit besseren Bedingungen.
Wie sind die Erfolgschancen?
**Bei klarem Schutz:** Sehr gut (Schwangerschaft, Behinderung mit Bescheid). **Bei Motivkündigung:** Abhängig von Beweisen und Umständen. **Bei Sozialwidrigkeit:** Schwieriger, aber möglich bei langer Betriebszugehörigkeit.
Praktisches Vorgehen
**Tag 1:** Kündigung erhalten – Datum notieren. **Tag 2-3:** Arbeiterkammer kontaktieren, Termine vereinbaren. **Tag 4-10:** Beweise sammeln, Zeugen befragen. **Tag 11-14:** Anfechtungsklage einbringen (nicht länger warten!).
Was passiert nach der Kündigung? (Arbeitslosengeld, Krankenversicherung)
Die **Kündigung ist ausgesprochen** – was nun? Arbeitslosengeld, Krankenversicherung, Abfertigung: Hier deine Checkliste für die ersten Schritte.
AMS-Anmeldung: Sofort handeln
**Wann:** Spätestens am ersten Tag nach Beendigung beim AMS melden. **Besser:** Schon 4 Wochen vorher online voranmelden auf ams.at. **Unterlagen:** Abmeldebescheinigung, E-Card, Meldezettel, Kontoverbindung. **Arbeitslosengeld:** Bekommst du ab dem ersten Tag der Arbeitslosigkeit.
Krankenversicherung nach der Kündigung
**Nachversicherung:** 6 Wochen automatisch kostenfrei bei der ÖGK. **Danach:** Bei AMS-Bezug automatisch weiterversichert. **Ohne AMS-Anspruch:** Selbstversicherung (ca. €65/Monat) oder Mitversicherung bei Familie. **E-Card:** Bleibt gültig, wird automatisch verlängert.
Arbeitslosengeld: Anspruch und Höhe
**Voraussetzung:** 52 Wochen arbeitslosenversicherungspflichtig in den letzten 24 Monaten. **Höhe:** Ca. 55% des Netto-Einkommens (max. €68,44/Tag, Stand 2025). **Dauer:** 20-52 Wochen je nach Alter und Beitragsjahren. **Sperre:** Möglich bei Selbstkündigung ohne wichtigen Grund.
Abfertigung nach Kündigung
**Abfertigung Alt:** Bei Arbeitgeberkündigung voller Anspruch. Bei Selbstkündigung nur mit wichtigem Grund. **Abfertigung Neu:** Geld in der Mitarbeitervorsorgekasse gehört dir immer. Auszahlung oder weiter ansparen möglich.
Steuern und Sozialversicherung
**Letztes Gehalt:** Wird normal versteuert und mit Sozialversicherung belastet. **Abfertigung:** Begünstigte Besteuerung mit 6% Lohnsteuer. **Arbeitslosengeld:** Steuerfrei, aber pensionsversicherungspflichtig. **Sonderzahlungen:** 13./14. Gehalt anteilig bis zum Austrittsdatum.
Checkliste für die ersten Tage
**Sofort:** AMS online voranmelden. **Tag 1:** Persönlich beim AMS melden. **Erste Woche:** Abmeldebescheinigung vom Arbeitgeber holen. **Erste 2 Wochen:** Abfertigung Alt einfordern, MVK kontaktieren. **Erste 4 Wochen:** Dienstzeugnis anfordern, neue Bewerbungen starten.
Unser Tipp
Melden Sie sich spätestens am ersten Tag der Arbeitslosigkeit beim AMS. Eine verspätete Meldung kann zu einer Kürzung der Leistungen führen.
Häufige Fehler bei Kündigungen vermeiden
Diese **Kündigungsfehler** kosten Geld, Nerven oder rechtliche Ansprüche. Lerne aus den Fehlern anderer:
Fehler 1: Kündigungsfrist falsch berechnet
**Der Fehler:** "Ich kündige zum 15. März mit einem Monat Frist." **Das Problem:** Als Arbeitnehmer kannst du nur zum Monatsende kündigen. **Richtig:** Kündigung zum 30. April (nächstmöglicher Monatsendtermin nach einem Monat). **Folge:** Unwirksame Kündigung oder längere Bindung.
Fehler 2: Mündliche Kündigung ohne schriftliche Bestätigung
**Der Fehler:** Chef sagt: "Du kannst gehen" – nichts schriftlich. **Das Problem:** Später streitet er es ab oder behauptet andere Modalitäten. **Richtig:** Sofort schriftliche Bestätigung verlangen oder E-Mail schicken: "Bestätige hiermit die mündliche Kündigung von heute." **Folge:** Beweisschwierigkeiten vor Gericht.
Fehler 3: Zu spät beim AMS gemeldet
**Der Fehler:** "Ich melde mich in ein paar Tagen." **Das Problem:** Arbeitslosengeld gibt es erst ab dem Meldedatum, nicht rückwirkend! **Richtig:** Spätestens am ersten Tag nach Beendigung beim AMS. Besser: 4 Wochen vorher online voranmelden. **Folge:** Geld verloren für jeden nicht gemeldeten Tag.
Fehler 4: Abfertigung verschenkt durch Selbstkündigung
**Der Fehler:** "Ich halte es nicht mehr aus, ich kündige!" **Das Problem:** Abfertigung Alt ist bei Selbstkündigung weg – oft Tausende Euro! **Richtig:** Erst prüfen ob wichtiger Grund vorliegt (Mobbing, Gesundheit), dann kündigen. Oder einvernehmliche Auflösung verhandeln. **Folge:** Abfertigung komplett verloren.
Fehler 5: Kündigungsschutz nicht erkannt
**Der Fehler:** Schwangere unterschreibt einvernehmliche Auflösung "weil es einfacher ist". **Das Problem:** Kündigungsschutz ist weg! Schwangere können normalerweise gar nicht gekündigt werden. **Richtig:** Bei Kündigungsschutz NIEMALS einvernehmlich unterschreiben ohne Rechtsberatung. **Folge:** Schutz verloren, den man eigentlich hatte.
Fehler 6: Generalklausel übersehen
**Der Fehler:** Unterschrift unter "alle Ansprüche sind abgegolten" ohne zu wissen, welche das sind. **Das Problem:** Offene Überstunden, Prämien, Spesen können verloren gehen. **Richtig:** Vor Unterschrift alle offenen Ansprüche auflisten und separat regeln. **Folge:** Geld verschenkt, das dir zusteht.
Fehler 7: Anfechtungsfrist verpasst
**Der Fehler:** "Ich warte erstmal ab und schaue, was passiert." **Das Problem:** Anfechtung meist nur 2 Wochen nach Kündigung möglich. **Richtig:** Sofort nach verdächtiger Kündigung rechtliche Beratung suchen. **Folge:** Rechte verfallen, die man hätte durchsetzen können.
Fehler 8: Kollektivvertrag nicht beachtet
**Der Fehler:** Nur das Gesetz kennen, aber nicht den eigenen Kollektivvertrag. **Das Problem:** KV kann bessere Bedingungen, andere Fristen oder zusätzliche Ansprüche vorsehen. **Richtig:** Eigenen Kollektivvertrag kennen oder bei AK/Gewerkschaft nachfragen. **Folge:** Vorteile nicht genutzt oder Fristen falsch berechnet.