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Arbeitszeugnis Österreich verstehen: Was jede Formulierung bedeutet

Zeugnissprache entschlüsselt — kostenlos in Alltagssprache erklärt.

Ein Arbeitszeugnis in Österreich bestätigt Beschäftigungsdauer und Tätigkeit und kann auf Wunsch auch Leistung und Verhalten bewerten. Viele Formulierungen wirken freundlich, meinen aber etwas anderes. Wer die gängigen Codes kennt, versteht sein eigenes Zeugnis in wenigen Minuten.

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Was ist ein Arbeitszeugnis in Österreich?

Ein Arbeitszeugnis bestätigt schriftlich, wo und wie lange jemand gearbeitet hat. Nach § 39 Angestelltengesetz besteht in Österreich ein gesetzlicher Anspruch darauf.

Gesetzliche Grundlage

§ 39 AngG gibt Angestellten das Recht, bei Beendigung des Dienstverhältnisses ein Zeugnis zu verlangen. Für Arbeiter gilt eine vergleichbare Regelung nach der Gewerbeordnung.

Anspruch auf Verlangen

Der Arbeitgeber muss das Zeugnis nicht automatisch ausstellen. Es muss aktiv eingefordert werden, meist bei Austritt aus dem Unternehmen.

Zeitpunkt der Ausstellung

Das Zeugnis wird üblicherweise zum Ende des Dienstverhältnisses ausgestellt. Ein Anspruch besteht auch später noch, solange er nicht verjährt ist.

Wer es ausstellen muss

Zuständig ist der Arbeitgeber bzw. die Personalabteilung. Bei insolventen oder nicht mehr existierenden Firmen kann sich die Ausstellung schwieriger gestalten.

Arbeitszeugnis

Ein Arbeitszeugnis ist eine schriftliche Bestätigung des Arbeitgebers über Art und Dauer der Beschäftigung. In Österreich kann es auf Verlangen um Angaben zu Leistung und Verhalten erweitert werden (qualifiziertes Zeugnis).

5 Geheimcodes in der Zeugnissprache

Manche Formulierungen klingen positiv, sind aber verschlüsselte Kritik. Diese fünf Wendungen tauchen besonders häufig auf.

1

'Stets zu unserer vollen Zufriedenheit'

Klingt nach Bestnote, ist aber oft nur eine mittlere Bewertung. Die Steigerung fehlt, etwa 'stets zu unserer vollsten Zufriedenheit', die als beste Note gilt.

2

'Er/Sie bemühte sich'

Dieses Wort wird oft als Hinweis gelesen, dass sich jemand angestrengt hat, das gewünschte Ergebnis aber nicht immer erreicht wurde.

3

'War stets pünktlich'

Wenn nur Pünktlichkeit erwähnt wird, aber keine fachliche Leistung, kann das als Hinweis auf fehlende inhaltliche Stärken gedeutet werden.

4

'Gesellig und kontaktfreudig'

In manchen Auslegungen wird dieser Ausdruck mit übermäßigem Interesse an privaten Kontakten während der Arbeitszeit assoziiert.

5

Fehlende Schlussformel

Wenn Dank, gute Wünsche oder Bedauern über das Ausscheiden ganz fehlen, wird das teils als stilles Signal für Unzufriedenheit gelesen.

Zeugnisformulierungen in Klartext übersetzt

So lassen sich typische Formulierungen aus einem österreichischen Zeugnis in Alltagssprache übertragen.

Beste Bewertung

Er erledigte die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.

Das gilt als eine der besten möglichen Formulierungen — durchgehend sehr gute Leistung.

Gute Bewertung

Sie erledigte die ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit.

Das entspricht in der gängigen Lesart einer guten, aber nicht der bestmöglichen Bewertung.

Mittlere Bewertung

Er erledigte die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit.

Ohne das Wort 'stets' wird das oft als durchschnittliche bis befriedigende Leistung interpretiert.

Schwache Bewertung

Sie zeigte für die übertragenen Aufgaben Verständnis.

Diese Formulierung wird häufig als sehr zurückhaltende, kritische Aussage gelesen.

Einfaches vs. qualifiziertes Zeugnis

In Österreich gibt es zwei Grundformen. Der Unterschied liegt im Umfang der Angaben.

Inhalt

Einfaches ZeugnisEnthält nur Art und Dauer der Beschäftigung.
Qualifiziertes ZeugnisEnthält zusätzlich Angaben zu Leistung und Verhalten.

Anspruch

Einfaches ZeugnisGesetzlicher Mindestanspruch nach § 39 AngG.
Qualifiziertes ZeugnisMuss ausdrücklich verlangt werden.

Aussagekraft für Bewerbungen

Einfaches ZeugnisBestätigt nur die formalen Fakten.
Qualifiziertes ZeugnisWird von vielen Personalverantwortlichen genauer gelesen.

Unterschied zu Deutschland: Warum deutsche Regeln nicht 1:1 gelten

Deutsche Zeugnisratgeber sind im Internet weit verbreitet, die österreichische Rechtslage weicht aber ab. Diese Punkte solltest du unterscheiden.

Andere Rechtsgrundlage

In Österreich regelt § 39 AngG den Anspruch, in Deutschland § 109 Gewerbeordnung. Die Formulierungen und Auslegungstraditionen unterscheiden sich.

Kein Wahrheits-Wohlwollens-Konflikt wie in DE

Die deutsche Rechtsprechung kennt einen ausgeprägten Grundsatz von 'wohlwollend, aber wahr'. In Österreich ist die Zeugnissprache weniger streng kodifiziert durch Gerichte.

Andere übliche Formeln

Manche in Deutschland etablierten Codewörter sind in Österreich weniger gebräuchlich oder werden anders gewichtet. Ein 1:1-Vergleich führt oft in die Irre.

Arbeitszeugnis in Österreich verstehen – Was bedeutet jede Formulierung?

Optionen bei einem schlechten oder fehlerhaften Zeugnis

Je nach Situation stehen unterschiedliche Wege offen. Das Gesetz knüpft an jede Option bestimmte Folgen.

1Zeugnis enthält sachliche Fehler (z.B. falsches Datum, falsche Position)

Eine Berichtigung kann beim Arbeitgeber eingefordert werden, da das Zeugnis der Wahrheit entsprechen muss.

2Zeugnis wirkt unfair negativ formuliert

Eine Klärung oder außergerichtliche Einigung mit dem Arbeitgeber ist möglich. Bei Uneinigkeit kann der Anspruch gerichtlich geltend gemacht werden.

3Arbeitgeber verweigert die Ausstellung komplett

Der gesetzliche Anspruch nach § 39 AngG bleibt bestehen und kann eingeklagt werden.

4Arbeitgeber existiert nicht mehr oder ist insolvent

Der Anspruch richtet sich an den Insolvenzverwalter bzw. die Rechtsnachfolge, falls vorhanden.

Arbeitszeugnis in Österreich verstehen – Was bedeutet jede Formulierung?

Fristen rund um das Arbeitszeugnis

Für Zeugnisansprüche gelten bestimmte zeitliche Grenzen. Diese solltest du im Blick behalten.

Üblicherweise zum Ende des Dienstverhältnisses

Ausstellung bei Austritt

Das Zeugnis wird meist zeitgleich mit den Austrittspapieren ausgestellt oder kurz danach angefordert.

3 Jahre nach ABGB

Verjährung des Anspruchs

Der allgemeine zivilrechtliche Verjährungsgrundsatz von drei Jahren wird für Zeugnisansprüche herangezogen, sofern keine kürzere Frist gilt.

Auf Verlangen, aus berechtigtem Anlass

Zwischenzeugnis während laufendem Dienstverhältnis

Ein Zwischenzeugnis kann verlangt werden, etwa bei Vorgesetztenwechsel oder interner Versetzung, auch ohne Beendigung des Dienstverhältnisses.

Checkliste zur Selbstprüfung deines Zeugnisses

Diese Punkte helfen, ein Zeugnis strukturiert durchzugehen, bevor du es weiterverwendest.

Personendaten korrekt

Name, Geburtsdatum und Position stimmen mit den tatsächlichen Angaben überein.

Beschäftigungsdauer stimmt

Ein- und Austrittsdatum entsprechen dem tatsächlichen Dienstverhältnis.

Tätigkeitsbeschreibung vollständig

Die wichtigsten Aufgaben und Verantwortungsbereiche sind erwähnt.

Formulierungen auf Codes geprüft

Wortwahl bei Leistung und Verhalten wurde mit gängigen Bewertungsformeln verglichen.

Schlussformel vorhanden

Dank, gute Wünsche oder Bedauern über das Ausscheiden sind enthalten, falls das erwartet wurde.

Arbeitszeugnis in Österreich verstehen – Was bedeutet jede Formulierung?

Praktische Auswirkungen eines Zeugnisses

Ein Arbeitszeugnis spielt in mehreren Alltagssituationen eine Rolle, nicht nur bei Bewerbungen.

Bei Bewerbungen

Personalverantwortliche lesen Zeugnisse oft zwischen den Zeilen. Auffällig kurze oder neutrale Formulierungen können Rückfragen auslösen.

Als Nachweis für Behörden

Zeugnisse können als Beleg für Berufserfahrung oder Beschäftigungsdauer gegenüber Behörden dienen, etwa beim AMS.

Für zukünftige Dienstverhältnisse

Manche Arbeitgeber verlangen Zeugnisse früherer Stellen als Teil der Bewerbungsunterlagen.

Primärquellen & weiterführende Informationen

Direkt zu den maßgeblichen Texten und offiziellen Stellen:

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Foto oder PDF hochladen, in 60 Sekunden verständlich erklärt, kostenlos.

Verwandte Ratgeber

Häufige Fragen

Was steht mir laut Gesetz in Österreich für ein Arbeitszeugnis zu?

Nach § 39 Angestelltengesetz besteht ein Anspruch auf ein Zeugnis über Art und Dauer der Beschäftigung. Auf Verlangen kann es zusätzlich Angaben zu Leistung und Verhalten enthalten (qualifiziertes Zeugnis).

Wie erkenne ich ein schlechtes Arbeitszeugnis?

Hinweise sind zurückhaltende Formulierungen, fehlende Steigerungen wie 'stets' oder eine fehlende Schlussformel. Auch auffällig kurze Beschreibungen ohne konkrete Leistungsangaben gelten als mögliches Signal.

Kann ich mein Arbeitszeugnis nachträglich ändern lassen?

Eine Berichtigung kann beim Arbeitgeber eingefordert werden, wenn Angaben unrichtig sind. Der Anspruch darauf verjährt nach den allgemeinen Regeln des ABGB üblicherweise nach drei Jahren.

Was bedeutet 'stets zu unserer vollen Zufriedenheit' wirklich?

Diese Formulierung gilt in der gängigen Lesart als gute, aber nicht als beste Bewertung. Die Steigerungsform 'vollsten Zufriedenheit' wird oft als höchste Note interpretiert.

Muss mir mein Arbeitgeber ein Arbeitszeugnis ausstellen?

Der Arbeitgeber muss ein Zeugnis ausstellen, wenn es verlangt wird. Der Anspruch nach § 39 AngG besteht unabhängig davon, wer das Dienstverhältnis beendet hat.

Was ist der Unterschied zwischen einfachem und qualifiziertem Arbeitszeugnis in Österreich?

Ein einfaches Zeugnis nennt nur Art und Dauer der Beschäftigung. Ein qualifiziertes Zeugnis enthält zusätzlich Aussagen zu Leistung und Verhalten, muss aber ausdrücklich verlangt werden.

Kann ich ein Arbeitszeugnis ablehnen und ein neues verlangen?

Bei sachlichen Fehlern oder unfairen Formulierungen kann eine Korrektur beim Arbeitgeber angefragt werden. Kommt keine Einigung zustande, bleibt der gesetzliche Anspruch bestehen und ist einklagbar.

Was tun, wenn der Arbeitgeber die Ausstellung verweigert?

Der Anspruch aus § 39 AngG besteht weiterhin und kann notfalls gerichtlich geltend gemacht werden. Die Arbeiterkammer bietet Beratung zu diesem Thema an.

Wie lange muss ein Arbeitgeber Zeugniskopien aufbewahren?

Eine gesetzlich festgelegte Aufbewahrungsfrist speziell für Zeugniskopien ist nicht einheitlich geregelt. Personalunterlagen werden in der Praxis oft über mehrere Jahre archiviert.

Hilft ein Anwalt oder reicht die Arbeiterkammer bei Zeugnisproblemen?

Die Arbeiterkammer bietet für Mitglieder kostenlose Erstberatung bei Zeugnisfragen an. Bei komplexeren Streitfällen kann zusätzlich eine anwaltliche Beratung sinnvoll sein.

Dieser Ratgeber erklärt allgemeine Zusammenhänge zur österreichischen Rechtslage und ist keine Rechtsberatung.