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Erbe ohne Testament verstehen

Kostenlos in Alltagssprache erklärt — wer erbt wann wie viel

Etwa 60% der Deutschen sterben ohne Testament. Dann entscheidet das Gesetz, wer erbt — nach einem strikten Ordnungssystem. Kinder erben vor Eltern, Eltern vor Geschwistern, Geschwister vor Großeltern. Ehepartner haben eine Sonderstellung und erben neben anderen Verwandten mit. Das klingt einfach, aber die Details können kompliziert werden: Was erbt der Ehepartner bei Gütertrennung? Erben auch Stiefkinder? Was passiert mit dem Haus?

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Erbe ohne Testament — Podcast

Gesetzliche Erbfolge einfach erklärt zum Anhören---Gesetzliche Erbfolge einfach erklärt zum Anhören---
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60% der Deutschen haben kein Testament. Bei 25% der Erbfälle entstehen dadurch Streitigkeiten in der Familie.

Deutsches Forum für Erbrecht, ADAC Erbengemeinschaft-Studie

Was ist die gesetzliche Erbfolge ohne Testament?

Wenn jemand stirbt, ohne ein Testament zu hinterlassen, regelt das Gesetz automatisch, wer erbt. Das nennt sich gesetzliche Erbfolge. Sie folgt einem klaren System: Familie vor Freunden, nahe Verwandte vor entfernten. Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) teilt alle möglichen Erben in Ordnungen ein.

Erbquoten in verschiedenen Familiensituationen

Quelle: Deutsches Forum für Erbrecht

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Erbt automatisch

Du musst nichts tun, um zu erben. Sobald jemand stirbt, gehört sein Vermögen automatisch den gesetzlichen Erben — auch wenn sie davon noch nichts wissen. Das nennt sich Gesamtrechtsnachfolge nach § 1922 BGB.

Nur Verwandte erben

Ohne Testament erben ausschließlich Verwandte und Ehepartner. Freunde, Lebensgefährten oder Stiefkinder gehen leer aus — egal wie eng die Beziehung war. Nur Adoption macht aus Stiefkindern echte Erben.

Strenge Rangfolge

Das Gesetz teilt alle Verwandten in Ordnungen ein. Gibt es Erben der 1. Ordnung (Kinder), erben Verwandte der 2. Ordnung (Eltern, Geschwister) gar nichts. Nur wenn eine Ordnung komplett leer ist, kommt die nächste zum Zug.

Ehepartner haben Sonderstellung

Ehepartner und eingetragene Lebenspartner stehen außerhalb der Ordnungen. Sie erben IMMER mit — neben den anderen Verwandten. Wie viel sie bekommen, hängt vom Güterstand ab.

Wie wird das Erbe ohne Testament aufgeteilt? Das Ordnungssystem

Das deutsche Erbrecht funktioniert wie eine Warteschlange. Wer weiter vorne steht, bekommt alles. Wer dahinter steht, geht leer aus. Diese Warteschlange heißt Ordnungssystem und ist in § 1924 ff. BGB geregelt.

Übersicht des deutschen Erbfolge-Ordnungssystems
1

1. Ordnung: Abkömmlinge

Das sind die Kinder des Verstorbenen und deren Nachkommen (Enkel, Urenkel). Solange auch nur ein Kind lebt, erbt niemand aus den anderen Ordnungen. Eheliche und uneheliche Kinder erben gleich viel.

2

2. Ordnung: Eltern und ihre Nachkommen

Eltern, Geschwister, Nichten und Neffen. Sie erben nur, wenn keine Kinder da sind. Leben noch beide Eltern, erben sie allein. Ist ein Elternteil tot, treten dessen Kinder (Geschwister des Verstorbenen) an seine Stelle.

3

3. Ordnung: Großeltern und ihre Nachkommen

Großeltern, Onkel, Tanten, Cousins. Sie erben nur, wenn weder Kinder noch Eltern oder Geschwister leben. Das Prinzip ist dasselbe: Leben die Großeltern noch, erben sie allein. Sonst treten deren Kinder an ihre Stelle.

4

4. und weitere Ordnungen

Urgroßeltern und deren Nachkommen, dann Ururgroßeltern usw. In der Praxis spielen diese Ordnungen kaum eine Rolle. Gibt es gar keine Verwandten mehr, erbt das Bundesland (Fiskalerbschaft).

1. Ordnung: Kinder und Enkelkinder

Die 1. Ordnung sind die wichtigsten Erben. Hier stehen die eigenen Kinder und deren Nachkommen. Sobald auch nur ein Kind da ist, erbt niemand anderes aus der Familie — außer dem Ehepartner.

Gesetzliche Erbfolge bei Kindern und Ehepartnern

Alle Kinder erben gleich viel

Egal ob ehelich, unehelich oder adoptiert — jedes Kind erbt den gleichen Anteil. Bei drei Kindern bekommt jedes ein Drittel (neben dem Ehepartner-Anteil). Das regelt § 1924 Abs. 1 BGB.

Wenn ein Kind schon verstorben ist

Ist eines der Kinder bereits tot, treten dessen eigene Kinder (die Enkel) an seine Stelle. Das nennt sich Erbfolge nach Stämmen. Die Enkel teilen sich den Anteil, den ihr Elternteil bekommen hätte.

Wenn nur noch Enkel leben

Leben alle Kinder nicht mehr, erben die Enkel direkt. Jeder Enkel bekommt den Anteil seines verstorbenen Elternteils. Hat ein Kind drei Kinder hinterlassen, das andere nur eins, erben sie trotzdem gleich viel pro 'Stamm'.

Adoptierte Kinder

Adoptierte Kinder sind rechtlich vollwertige Kinder. Sie erben von den Adoptiveltern genauso wie leibliche Kinder. Von ihren leiblichen Eltern erben sie nach der Adoption nicht mehr (§ 1755 BGB).

Tipp: Falls du auch Fragen zu deinem Arbeitsvertrag oder deinem Mietvertrag hast, kann Klaro dir auch dabei helfen, diese zu verstehen.

2. Ordnung: Eltern und Geschwister

Die 2. Ordnung erbt nur, wenn keine Kinder oder Enkel da sind. Das sind die Eltern des Verstorbenen und deren andere Kinder — also die Geschwister.

1

Beide Eltern leben noch

Leben Mutter und Vater noch, erben sie allein — zu je 50%. Die Geschwister des Verstorbenen gehen dann leer aus. So regelt es § 1925 Abs. 1 BGB.

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Nur ein Elternteil lebt noch

Ist ein Elternteil bereits tot, erbt der lebende Elternteil die Hälfte. Die andere Hälfte (die der verstorbene Elternteil bekommen hätte) teilen sich dessen Kinder — also die Geschwister des Verstorbenen.

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Beide Eltern sind tot

Dann erben nur noch die Geschwister. Jedes Geschwister bekommt einen gleichen Anteil. Ist ein Geschwisterteil bereits verstorben, treten dessen Kinder (Nichten/Neffen des Verstorbenen) an seine Stelle.

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Halbgeschwister

Halbgeschwister (gemeinsame Mutter oder gemeinsamer Vater) erben nur von 'ihrer' Seite. Hat der Verstorbene einen Halbbruder mütterlicherseits, erbt dieser nur wenn die Mutter tot ist — nicht wenn nur der Vater fehlt.

3. Ordnung: Großeltern, Onkel, Tanten

Die 3. Ordnung kommt nur zum Zug, wenn weder Kinder noch Eltern oder Geschwister leben. Das passiert meistens bei älteren, kinderlosen Menschen ohne lebende Geschwister.

Großeltern erben zuerst

Leben noch Großeltern (mütterlicher- oder väterlicherseits), erben sie vor allen anderen der 3. Ordnung. Jedes Großelternpaar bekommt die Hälfte — 25% pro Großelternteil bei vier lebenden Großeltern.

Onkel und Tanten

Sind die Großeltern tot, treten deren Kinder an ihre Stelle — das sind die Onkel und Tanten des Verstorbenen. Sie teilen sich den Anteil ihrer verstorbenen Eltern zu gleichen Teilen.

Cousins und Cousinen

Sind auch die Onkel und Tanten verstorben, erben deren Kinder — die Cousins und Cousinen des Verstorbenen. Das wird schnell sehr aufgeteilt bei großen Familien.

Wenn nur eine Großeltern-Seite existiert

Gibt es nur noch mütterliche oder nur noch väterliche Verwandte, erbt diese Seite alles. Die andere Hälfte fällt nicht an den Staat, sondern an die verbliebenen Verwandten.

Wichtig: Bei komplexen Erbfällen solltest du einen Anwalt konsultieren. Wenn du auch deinen Steuerbescheid nicht verstehst, kann dir Klaro dabei helfen, diesen zu erklären.

Ehepartner und eingetragene Lebenspartner — Sonderstellung

Ehepartner stehen außerhalb der Ordnungen. Sie erben IMMER — neben den anderen Verwandten. Wie viel sie bekommen, hängt davon ab, welche anderen Erben da sind und in welchem Güterstand sie lebten.

Gesetzliche Erbquoten für Ehepartner und Familie

Neben Kindern (1. Ordnung)

Leben Kinder, erbt der Ehepartner 25% des Nachlasses. Die restlichen 75% teilen sich die Kinder. Bei Zugewinngemeinschaft (Normalfall) erhöht sich der Ehepartner-Anteil auf 50% durch den pauschalen Zugewinnausgleich.

Neben Eltern/Geschwistern (2. Ordnung)

Gibt es keine Kinder, erbt der Ehepartner 50% des Nachlasses. Die anderen 50% gehen an Eltern oder Geschwister. Bei Zugewinngemeinschaft steigt der Ehepartner-Anteil auf 75%.

Neben Großeltern (3. Ordnung)

Bei Erben der 3. Ordnung oder entfernteren Verwandten erbt der Ehepartner 50% — plus alles was an entfernte Verwandte der 3. oder 4. Ordnung gehen würde. Faktisch oft 75-100%.

Alleiniges Erbe

Hat der Verstorbene keine Verwandten der 1., 2. oder 3. Ordnung, erbt der Ehepartner alles. Das kommt bei kinderlosen Paaren vor, deren Eltern und Geschwister bereits verstorben sind.

Güterstand und Erbquoten (Zugewinngemeinschaft, Gütertrennung)

Der Güterstand entscheidet, wie viel der Ehepartner erbt. Die meisten Paare leben in Zugewinngemeinschaft — das ist der gesetzliche Normalfall. Aber es gibt auch andere Güterstände mit anderen Erbquoten.

Häufigste Probleme bei Erben ohne Testament

Quelle: ADAC Erbengemeinschaft-Studie

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Zugewinngemeinschaft (Normalfall)

Das ist der Standard-Güterstand ohne Ehevertrag. Der Ehepartner bekommt seinen normalen Erbteil PLUS einen pauschalen Zugewinnausgleich von 25%. Beispiel: Statt 25% neben Kindern erbt er 50%, statt 50% neben Eltern erbt er 75%.

Gütertrennung

Bei vereinbarter Gütertrennung gibt es keinen Zugewinnausgleich. Der Ehepartner bekommt nur seinen normalen Erbteil: 25% neben Kindern, 50% neben Eltern/Geschwistern. Achtung: Bei nur einem Kind würden beide je 50% erben!

Gütergemeinschaft

Bei Gütergemeinschaft wird das Vermögen beider Ehepartner schon während der Ehe gemeinsam verwaltet. Der Ehepartner erbt dann seinen normalen Erbteil ohne Zugewinnausgleich, da bereits alles gemeinsam gehört.

Warum der Zugewinn-Bonus?

In der Zugewinngemeinschaft hätte der überlebende Ehepartner Anspruch auf Zugewinnausgleich — also die Hälfte dessen, was der Partner während der Ehe dazugewonnen hat. Das Erbrecht gibt pauschal 25% extra, um das zu vereinfachen.

Praktische Beispiele: Wer erbt wie viel?

Die Theorie ist eine Sache — aber wie sieht die gesetzliche Erbfolge in der Praxis aus? Diese konkreten Beispiele zeigen, wer bei verschiedenen Familienkonstellationen wie viel erbt.

1

Ehepartner + 2 Kinder

Maria stirbt und hinterlässt Ehemann Peter und zwei Kinder (Anna, Ben). Nachlasswert: 200.000€. Peter erbt 50% = 100.000€. Anna und Ben erben je 25% = je 50.000€.

2

Ehepartner + 1 Kind

Klaus stirbt, hinterlässt Ehefrau Petra und Tochter Lisa. Nachlasswert: 300.000€. Petra erbt 50% = 150.000€. Lisa erbt 50% = 150.000€. Bei nur einem Kind teilen sich Ehepartner und Kind fifty-fifty.

3

Ehepartner + Eltern (keine Kinder)

Stefan stirbt kinderlos, hinterlässt Ehefrau Julia und seine Mutter. Nachlasswert: 400.000€. Julia erbt 75% = 300.000€. Stefans Mutter erbt 25% = 100.000€.

4

Ehepartner + Geschwister

Anna stirbt kinderlos, ihre Eltern sind tot. Sie hinterlässt Ehemann Tom und zwei Brüder. Nachlasswert: 150.000€. Tom erbt 75% = 112.500€. Die Brüder teilen sich 25% = je 18.750€.

5

Nur Kinder (unverheiratet)

Michael stirbt unverheiratet, hinterlässt drei Kinder. Nachlasswert: 180.000€. Jedes Kind erbt 33,33% = je 60.000€. Ohne Ehepartner teilen sich die Kinder alles zu gleichen Teilen.

6

Haus erben ohne Testament

Familie Schmidt hat ein Haus im Wert von 500.000€. Der Ehemann stirbt, hinterlässt Frau und zwei Kinder. Die Frau erbt 50% des Hauses (250.000€), jedes Kind 25% (125.000€). Das Haus gehört allen drei als Erbengemeinschaft.

Wer wird über das Erbe informiert?

Nach einem Todesfall informiert das Nachlassgericht nicht automatisch alle Erben. Oft erfahren Verwandte erst spät oder gar nicht von ihrer Erbschaft. Hier erfährst du, wer wann informiert wird.

Nachlassgericht informiert begrenzt

Das Nachlassgericht (beim Amtsgericht) informiert nur die Erben, die es kennt — meist aus dem Sterberegister oder von Angehörigen. Entfernte Verwandte erfahren oft nichts von der Erbschaft.

Nicht immer automatische Info

Das Nachlassgericht MUSS dich nicht informieren. Vor allem entfernte Verwandte (Cousins, Nichten) erfahren oft nichts. Du erbst trotzdem — musst aber selbst herausfinden, dass jemand gestorben ist.

Banken und Versicherungen fragen

Banken und Versicherungen wollen nach dem Tod wissen, wer erbt. Sie schreiben oft alle bekannten Angehörigen an. So erfährst du indirekt von der Erbschaft — auch wenn das Gericht nichts gesagt hat.

Eigenverantwortung ist wichtig

Hörst du von einem Todesfall in der Familie, frage aktiv nach: Gibt es ein Testament? Wenn nein, bist du möglicherweise Erbe. Warte nicht darauf, dass dich jemand kontaktiert — das passiert nicht immer.

Wichtig: Bei komplexen Erbfällen kann auch ein Arbeitsvertrag des Verstorbenen oder ein Mietvertrag relevant werden, die gekündigt werden müssen.

Wie lange dauert die Erbabwicklung?

Die Abwicklung einer gesetzlichen Erbschaft kann Monate oder Jahre dauern. Die Dauer hängt von der Komplexität des Nachlasses und der Anzahl der Erben ab.

Erbschein beantragen: 4-8 Wochen

Ohne Testament brauchst du meist einen Erbschein, um zu beweisen, dass du Erbe bist. Den bekommst du beim Nachlassgericht. Mit allen Dokumenten dauert das 4-8 Wochen — bei Rückfragen auch länger.

Konten sind oft gesperrt

Banken sperren die Konten des Verstorbenen, bis die Erbfolge geklärt ist. An das Geld kommst du erst mit Erbschein ran. Bei Gemeinschaftskonten mit dem Ehepartner geht es schneller.

Immobilien-Übertragung: 2-6 Monate

Häuser und Wohnungen müssen im Grundbuch umgeschrieben werden. Das dauert mindestens 2-3 Monate. Bei mehreren Erben (Erbengemeinschaft) kann es komplizierter werden — bis zu einem Jahr.

Erbengemeinschaft verlangsamt alles

Gibt es mehrere Erben, müssen sich alle einigen. Jede Entscheidung braucht einstimmige Zustimmung. Das kann Monate oder Jahre dauern — vor allem bei Immobilien oder Unternehmen.

Erbe ausschlagen — wann und wie?

Nicht jedes Erbe ist ein Geschenk. Hat der Verstorbene Schulden, können diese das Erbe übersteigen. Dann solltest du die Erbschaft ausschlagen — aber Vorsicht bei den Fristen!

6 Wochen Frist ab Kenntnis

Du hast 6 Wochen Zeit, um das Erbe auszuschlagen — ab dem Moment, wo du vom Tod UND deiner Erbenstellung erfährst. Versäumst du die Frist, gilt das Erbe als angenommen. Die Frist kann nicht verlängert werden.

Schulden werden mit vererbt

Als Erbe übernimmst du ALLE Schulden des Verstorbenen — auch wenn sie höher sind als das Vermögen. Weißt du von hohen Schulden, schlage das Erbe besser aus. Deine Kinder rücken dann automatisch nach.

Ausschlagung kostet Geld

Die Ausschlagung beim Nachlassgericht kostet je nach Nachlasswert 30-300€. Das musst du auch zahlen, wenn das Erbe überschuldet war. Die Ausschlagung muss persönlich oder per Notar erklärt werden.

Alternative: Haftungsbeschränkung

Statt auszuschlagen kannst du die Haftung auf den Nachlass beschränken lassen. Dann haftest du nur mit dem geerbten Vermögen — nicht mit deinem eigenen. Das ist oft besser als komplette Ausschlagung.

Tipp: Wenn du unsicher bist, ob das Erbe überschuldet ist, kannst du auch eine Nachlassverwaltung beantragen. Dann haftest du nur mit dem Nachlass, nicht mit deinem eigenen Vermögen.

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Verwandte Ratgeber

Häufige Fragen zur gesetzlichen Erbfolge

Wer erbt ohne Testament?

Ohne Testament erben nur Verwandte und Ehepartner nach dem gesetzlichen Ordnungssystem. Zuerst kommen Kinder und Ehepartner, dann Eltern/Geschwister, dann Großeltern/Onkel/Tanten. Freunde, Lebensgefährten oder Stiefkinder erben nichts — außer sie sind adoptiert.

Wie viel erbt der Ehepartner ohne Testament?

Das hängt ab, welche anderen Erben da sind: Neben Kindern erbt der Ehepartner 25% (bei Zugewinngemeinschaft 50%). Neben Eltern/Geschwistern erbt er 50% (bei Zugewinngemeinschaft 75%). Gibt es nur entfernte Verwandte, erbt er oft alles.

Erben alle Kinder gleich viel?

Ja, alle Kinder erben den gleichen Anteil — egal ob ehelich, unehelich oder adoptiert. Bei drei Kindern bekommt jedes ein Drittel des Kinder-Anteils. Der Ehepartner-Anteil bleibt davon unberührt.

Erben Stiefkinder ohne Testament?

Nein, Stiefkinder sind nicht erbberechtigt — egal wie eng die Beziehung war. Nur durch Adoption werden sie zu echten Erben. Einfaches Zusammenleben oder Heirat mit einem Elternteil reicht nicht aus.

Erben uneheliche Kinder genauso?

Ja, seit 1998 sind uneheliche Kinder vollständig gleichberechtigt. Sie erben genauso viel wie eheliche Kinder. Das Gleiche gilt für Kinder aus verschiedenen Ehen — alle erben zu gleichen Teilen.

Erbt der geschiedene Ehepartner?

Nein, geschiedene Ehepartner sind nicht erbberechtigt. Schon die Einreichung des Scheidungsantrags (wenn beide zustimmen) oder die Rechtshängigkeit des Scheidungsverfahrens beendet das Erbrecht. Getrennt lebende, aber nicht geschiedene Ehepartner erben noch.

Erben eingetragene Lebenspartner genauso?

Ja, eingetragene Lebenspartner sind Ehepartnern komplett gleichgestellt. Sie erben die gleichen Anteile und haben die gleichen Rechte. Normale Lebensgefährten (ohne Eintragung) erben dagegen gar nichts.

Was ist eine Erbengemeinschaft und wie funktioniert sie?

Wenn mehrere Personen erben, bilden sie automatisch eine Erbengemeinschaft. Alle müssen sich bei wichtigen Entscheidungen einig sein. Das kann bei Immobilien oder Unternehmen kompliziert werden. Jeder kann seinen Anteil verkaufen oder die Teilung verlangen.

Was kostet ein Erbschein ohne Testament?

Die Kosten richten sich nach dem Nachlasswert: Bei 50.000€ Nachlasswert kostet der Erbschein 165€, bei 200.000€ sind es 435€, bei 500.000€ schon 935€. Zusätzlich kommen Auslagen und eventuelle Notarkosten dazu.

Wie wird ein Haus unter mehreren Erben aufgeteilt?

Das Haus gehört allen Erben zusammen als Erbengemeinschaft. Sie können es verkaufen und den Erlös teilen, oder einer kauft die anderen aus. Ohne Einigung kann jeder die Teilungsversteigerung beantragen — meist mit Verlust für alle.

Was passiert mit Schulden bei Erbschaft ohne Testament?

Schulden werden genauso mit vererbt wie Vermögen. Als Erbe haftest du für alle Verbindlichkeiten — auch mit deinem eigenen Vermögen. Deshalb: Bei hohen Schulden das Erbe ausschlagen oder Haftungsbeschränkung beantragen.

Wann erbt der Staat?

Nur wenn es gar keine erbberechtigten Verwandten gibt — auch nicht in entfernten Graden. Das ist sehr selten. Meist finden sich noch Cousins oder andere entfernte Verwandte. Das Finanzamt erbt dann als 'Fiskalerbschaft'.

Gibt es einen Pflichtteil auch bei gesetzlicher Erbfolge?

Der Pflichtteil spielt bei gesetzlicher Erbfolge normalerweise keine Rolle, weil alle Pflichtteilsberechtigten automatisch erben. Nur wenn ein Erbe ausschlägt oder durch andere Umstände ausscheidet, kann ein Pflichtteilsanspruch entstehen.

Was gilt bei Erben im Ausland?

Leben Erben im Ausland, gelten trotzdem die deutschen Gesetze — wenn der Verstorbene Deutscher war oder in Deutschland gelebt hat. Die Erben müssen sich aber selbst kümmern und bekommen oft keine automatische Nachricht vom deutschen Nachlassgericht.

Verjährt ein Erbanspruch ohne Testament?

Der Erbanspruch selbst verjährt nicht — du bist Erbe oder nicht. Aber einzelne Ansprüche können verjähren: Herausgabeansprüche nach 3 Jahren, Erbschaftssteuer nach 4 Jahren. Wichtig: Je früher du dich kümmerst, desto besser.

Was passiert mit digitalen Konten und Daten?

Auch Online-Konten, E-Mails und digitale Vermögenswerte gehören zum Erbe. Die Erben bekommen Zugang — brauchen aber oft Passwörter oder müssen sich mühsam legitimieren. Social Media Accounts können in einen 'Gedenkzustand' versetzt werden.

Was ist, wenn später doch ein Testament auftaucht?

Ein gültiges Testament hebt die gesetzliche Erbfolge auf — auch wenn es erst später gefunden wird. Bereits übertragenes Vermögen muss dann unter Umständen zurückgegeben werden. Deshalb sollte man nach einem Todesfall gründlich nach Testamenten suchen.

Wo bekomme ich Hilfe bei komplizierter Erbfolge?

Bei komplizierten Fällen hilft ein Fachanwalt für Erbrecht. Das Nachlassgericht berät nur begrenzt. Auch ein Notar kann helfen, besonders bei Immobilien. Bei einfachen Fragen reichen oft die Infoblätter des Justizministeriums.

Welche Steuern fallen bei gesetzlicher Erbfolge an?

Die Erbschaftssteuer ist unabhängig davon, ob es ein Testament gibt oder nicht. Wichtig sind die Freibeträge: Kinder haben 400.000€ frei, Ehepartner 500.000€, Enkel 200.000€. Nur was darüber liegt, wird besteuert.

Was gilt bei mehreren Staatsangehörigkeiten?

Seit 2015 gilt EU-weit: Das Erbrecht des Landes, wo der Verstorbene zuletzt gewöhnlich gelebt hat. Deutsche im Ausland können aber deutsches Erbrecht wählen. Das sollte in einem Testament festgelegt werden.

Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung. Bei komplexen Erbfällen solltest du einen spezialisierten Anwalt konsultieren.