Was ist Leichte Sprache?
Leichte Sprache ist eine besonders einfache Form der deutschen Sprache. Sie wurde ursprünglich für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder geistiger Behinderung entwickelt, wird inzwischen aber von deutlich mehr Menschen genutzt. Seit dem Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) müssen Bundesbehörden Informationen auch in Leichter Sprache anbieten, etwa auf Webseiten oder bei zentralen Formularen. Ziel ist es, Texte so aufzubereiten, dass sie auch ohne Vorwissen und ohne Hilfe verstanden werden können.
Die wichtigsten Regeln der Leichten Sprache
Kurze Sätze
Jeder Satz hat nur eine Aussage. Maximal 8-12 Wörter pro Satz. Nebensätze, Einschübe und Kommawürste werden vermieden, damit der Blick beim Lesen nicht verloren geht.
Einfache Wörter
Keine Fremd- oder Fachwörter. Schwierige Wörter werden erklärt oder durch einfache ersetzt. Zusammengesetzte Wörter wie 'Aufenthaltserlaubnis' werden oft mit einem Bindestrich getrennt: 'Aufenthalts-Erlaubnis', damit sie leichter lesbar sind.
Klarer Aufbau
Jeder Absatz behandelt nur ein Thema. Überschriften sagen, worum es geht. Ein Gedanke pro Zeile, viel Weißraum und eine große, gut lesbare Schrift gehören ebenfalls zu den Gestaltungsregeln.
Bilder helfen
Bilder und Symbole unterstützen das Verstehen. Sie zeigen, was der Text sagt, und dienen als zusätzlicher Anker für Menschen, die beim reinen Lesen schneller den Faden verlieren.
Direkte Ansprache
Der Text spricht den Leser direkt an: Du oder Sie. Keine unpersönlichen Formulierungen wie 'es wird gebeten' oder 'seitens der Behörde'. Stattdessen: 'Sie müssen...' oder 'Wir bitten Sie...'.
Keine Verneinungen
Statt 'Das ist nicht verboten' schreibt man 'Das ist erlaubt'. Positive Aussagen sind leichter zu verstehen. Doppelte Verneinungen wie 'nicht unzulässig' werden komplett vermieden, weil sie im Kopf mühsam aufgelöst werden müssen.
Offizieller Standard
Leichte Sprache folgt dem Regelwerk des Netzwerks Leichte Sprache und der DIN SPEC 33429. Texte in Leichter Sprache werden von Prüfgruppen aus der Zielgruppe getestet – Menschen mit Lernschwierigkeiten lesen den Text und geben Rückmeldung, ob er verständlich ist. Erst nach dieser Prüfung gilt ein Text offiziell als 'geprüfte Leichte Sprache'.
Was ist Einfache Sprache?
Einfache Sprache liegt zwischen Leichter Sprache und Standardsprache. Sie richtet sich an alle, die komplizierte Texte schwer verstehen – nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern auch Menschen mit geringen Deutschkenntnissen, ältere Menschen oder einfach jeden, der mit Behördendeutsch nichts anfangen kann. Anders als Leichte Sprache muss Einfache Sprache nicht jede Regel starr befolgen, sondern orientiert sich am Ziel: schnelles, mühelosens Verstehen beim ersten Lesen.
Merkmale der Einfachen Sprache
Kürzere Sätze
Maximal 15-20 Wörter pro Satz. Schachtelsätzen werden aufgelöst, sodass aus einem verschachtelten Behördensatz oft zwei oder drei klare Einzelsätze entstehen.
Fachwörter erklärt
Fachbegriffe dürfen vorkommen, werden aber sofort erklärt. Ein Begriff wie 'Widerspruchsfrist' bleibt stehen, wird aber direkt im Satz oder in Klammern erläutert.
Klare Struktur
Logischer Aufbau, Absätze, Überschriften und Listen. Wichtige Informationen wie Fristen oder Beträge stehen an prominenter Stelle, nicht versteckt im Fließtext.
Alltagssprache
Formulierungen wie im normalen Gespräch. Kein Amtsdeutsch, kein Juristendeutsch. Aktive Sätze statt Passivkonstruktionen: 'Das Amt prüft Ihren Antrag' statt 'Der Antrag wird geprüft'.
Internationaler Standard
Einfache Sprache orientiert sich an der ISO 24495-1 (Plain Language). Anders als Leichte Sprache ist sie kein fest definiertes Regelwerk mit exakten Wort- und Satzlängen, sondern ein Prinzip: Texte so schreiben, dass die Zielgruppe sie beim ersten Lesen versteht, ohne nachschlagen oder mehrfach lesen zu müssen.
Unterschied: Leichte Sprache vs. Einfache Sprache
Beide machen Texte verständlicher, aber für unterschiedliche Zielgruppen und nach unterschiedlichen Regeln. Wer entscheiden will, welche Variante für einen bestimmten Text passt, kann sich an folgenden Kriterien orientieren.
klaro.legal
| Merkmal | Leichte Sprache | Einfache Sprache |
|---|---|---|
| Zielgruppe | Menschen mit Lernschwierigkeiten, geistiger Behinderung | Alle, die komplizierte Texte schwer verstehen |
| Sprachniveau | A1-A2 (sehr einfach) | A2-B1 (allgemein verständlich) |
| Regelwerk | Festes Regelwerk (DIN SPEC 33429) | Orientierung an ISO 24495-1 (Plain Language) |
| Satzlänge | Max. 8-12 Wörter | Max. 15-20 Wörter |
| Qualitätssicherung | Prüfung durch Prüfgruppen aus der Zielgruppe | Keine Pflicht zur externen Prüfung |
| Professionelle Übersetzung | 65-260€ pro Normseite (inkl. Prüfgruppe) | 30-150€ pro Normseite |
Warum verständliche Sprache so wichtig ist
Juristische Texte sind oft kompliziert formuliert, weil Gesetze präzise sein müssen – aber das bedeutet nicht, dass der Inhalt unzugänglich bleiben soll. Verständliche Sprache übersetzt die juristische Präzision in Sätze, die im Alltag nachvollziehbar sind.
Behördenbriefe
Wenn das Finanzamt, die Krankenkasse oder das Jobcenter schreibt, zählt jeder Satz. Fristen verstreichen, Widersprüche werden nicht eingelegt – oft, weil der Brief unverständlich war und die entscheidende Information im dritten Nebensatz versteckt lag.
Verträge
Mietverträge, Arbeitsverträge, Versicherungsverträge – überall stecken Klauseln, die man erst versteht, wenn es zu spät ist. Eine Erklärung in verständlicher Sprache macht sichtbar, welche Pflichten und Rechte sich aus einer Klausel ergeben, bevor eine Unterschrift gesetzt wird.
Menschen mit Migrationsgeschichte
Wer Deutsch als Zweitsprache spricht, scheitert oft an Fachbegriffen, selbst wenn die Alltagssprache bereits gut beherrscht wird. Einfache Sprache schließt die Lücke zwischen Sprachkenntnissen und rechtlichen Anforderungen, weil Fachjargon durch gängige Wörter ersetzt oder erklärt wird.
Ältere Menschen
Komplizierte Online-Formulare, lange Vertragstexte, neue Gesetze – viele Senioren fühlen sich von der Flut an Dokumenten überfordert, besonders wenn digitale Verwaltungsprozesse hinzukommen, die zusätzlich technisches Verständnis voraussetzen.

Welche Dokumente brauchen verständliche Sprache?
Juristische Texte begegnen dir überall im Alltag. Hier sind die häufigsten Dokumenttypen, die viele Menschen nicht vollständig verstehen – oft mit spürbaren Folgen, wenn eine Klausel oder Frist übersehen wird.
Mietvertrag
Kündigungsfristen, Schönheitsreparaturen, Betriebskostenumlagen – ein durchschnittlicher Mietvertrag hat 15-25 Seiten voller Klauseln, die sich gegenseitig ergänzen oder einschränken können.
Arbeitsvertrag
Probezeit, Überstundenregelungen, Wettbewerbsverbote – was harmlos klingt, kann die berufliche Bewegungsfreiheit nach einer Kündigung einschränken.
Steuerbescheid
Festsetzung, Vorauszahlungen, Nachzahlungen – der Steuerbescheid ist für viele das unverständlichste Dokument überhaupt, weil Berechnungsgrundlagen und Rechtsverweise dicht aneinandergereiht sind.
Bußgeldbescheid
Tatbestand, Rechtsbehelfsbelehrung, Ordnungswidrigkeiten – auch bei einem einfachen Knöllchen gibt es Fristen und Einspruchsmöglichkeiten, die im Kleingedruckten stehen.
Versicherungsvertrag
Selbstbeteiligung, Obliegenheitspflichten, Leistungsausschlüsse – Versicherungsbedingungen enthalten häufig Ausnahmen, die erst im Schadensfall auffallen.
Behördenbrief
Anhörungsschreiben, Bescheide, Verwaltungsakte – Behörden schreiben oft in einer Sprache, die selbst mit juristischer Vorbildung erst entschlüsselt werden muss.
Verständliche Sprache mit klaro.legal
Ein Werkzeug für verständliche Sprache ist bei Verträgen und Bescheiden nur dann hilfreich, wenn es das ganze Dokument aufnimmt und den juristischen Zusammenhang erkennt. Genau darauf ist klaro.legal ausgelegt: Du lädst den Brief oder Vertrag hoch, und jede Klausel wird einzeln erklärt statt der Text nur allgemein zusammengefasst.
klaro.legal
Dokument-Upload als PDF oder Foto, Erklärung Klausel für Klausel, 8 Sprachen, ausgelegt auf Verträge und Behördenbriefe

Beispiel: So erklärt klaro dein Dokument
Hier siehst du, wie klaro.legal einen echten Behördentext in verständliche Alltagssprache übersetzt. Der Vergleich zeigt, wie aus einem Satz voller Paragraphen-Verweise eine klare, handlungsorientierte Erklärung wird.
Original (Behördenbrief)
Gemäß § 28 Abs. 1 VwVfG geben wir Ihnen hiermit Gelegenheit, sich zu der beabsichtigten Ablehnung Ihres Antrags auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis gem. § 18 Abs. 2 AufenthG zu äußern. Die Stellungnahme ist binnen einer Frist von zwei Wochen nach Zugang dieses Schreibens an die oben genannte Dienststelle zu richten.
Klaro erklärt
Die Behörde will den Antrag auf eine Aufenthaltserlaubnis zum Arbeiten ablehnen. Aber bevor das passiert, gibt es die Möglichkeit, sich dazu zu äußern. Das heißt: Es kann erklärt werden, warum die Erlaubnis doch erteilt werden sollte. Wichtig: Es bleiben nur 2 Wochen Zeit ab dem Tag, an dem der Brief ankommt. Die Antwort geht an die Adresse, die oben auf dem Brief steht.
7 Tipps zum Verstehen schwieriger Texte
Nicht immer ist ein KI-Tool zur Hand. Mit diesen Strategien lassen sich auch schwierige Texte besser einordnen und verstehen.
Fristen markieren
Zuerst lohnt sich die Suche nach Daten und Fristen. Das ist meist das Wichtigste — wenn eine Frist verstreicht, nützen auch gute Argumente oft nichts mehr. Ein Textmarker oder ein Kreis um das Datum hilft, die Information beim zweiten Lesen sofort wiederzufinden.
Absatz für Absatz lesen
Der ganze Text muss nicht auf einmal gelesen werden. Es hilft, jeden Absatz einzeln vorzunehmen und sich zu fragen: Was will dieser Absatz mitteilen? Wer das macht, verliert seltener den roten Faden bei langen Schachtelsätzen.
Fachwörter nachschlagen
Jeder Fachbegriff, der unklar bleibt, kann wichtig sein. Möglich ist, ihn nachzuschlagen oder das Dokument bei klaro.legal hochzuladen, um eine Erklärung im Kontext zu bekommen.
Wer will was von wem?
Drei Fragen helfen bei der Orientierung: Wer schreibt hier? Was wird gefordert oder mitgeteilt? Was ist als Reaktion erforderlich?
Fristen ernst nehmen
Die meisten Behördenbriefe enthalten Fristen. Ein Brief, der nicht verstanden wird, bleibt trotzdem fristauslösend — das Datum auf dem Umschlag oder im Anschreiben zählt unabhängig davon, ob der Inhalt bereits klar ist.
Hilfe suchen
Verbraucherzentralen, Mietervereine, Sozialverbände — viele Stellen unterstützen kostenlos oder gegen geringe Gebühr beim Verstehen von Dokumenten und beim Einordnen von Fristen.
Dokument übersetzen lassen
Ein Dokument kann bei klaro.legal hochgeladen werden. Die KI erklärt Klausel für Klausel, was der Text bedeutet — in Alltagssprache und ohne Fachjargon.