16,8 Millionen Erwachsene in Deutschland können nicht ausreichend lesen und schreiben, um Behördenbriefe oder Verträge zu verstehen.
LEO-Studie 2018, Universität Hamburg
Was ist Leichte Sprache?
Leichte Sprache ist eine besonders einfache Form der deutschen Sprache. Sie wurde ursprünglich für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder geistiger Behinderung entwickelt. Seit dem Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) müssen Bundesbehörden Informationen auch in Leichter Sprache anbieten.
Die wichtigsten Regeln der Leichten Sprache
Kurze Sätze
Jeder Satz hat nur eine Aussage. Maximal 8-12 Wörter pro Satz.
Einfache Wörter
Keine Fremd- oder Fachwörter. Schwierige Wörter werden erklärt oder durch einfache ersetzt.
Klarer Aufbau
Jeder Absatz behandelt nur ein Thema. Überschriften sagen, worum es geht.
Bilder helfen
Bilder und Symbole unterstützen das Verstehen. Sie zeigen, was der Text sagt.
Direkte Ansprache
Der Text spricht den Leser direkt an: Du oder Sie. Keine unpersönlichen Formulierungen.
Keine Verneinungen
Statt 'Das ist nicht verboten' schreibt man 'Das ist erlaubt'. Positive Aussagen sind leichter zu verstehen.
Offizieller Standard
Leichte Sprache folgt dem Regelwerk des Netzwerks Leichte Sprache und der DIN SPEC 33429. Texte in Leichter Sprache werden von Prüfgruppen aus der Zielgruppe getestet.
Was ist Einfache Sprache?
Einfache Sprache liegt zwischen Leichter Sprache und Standardsprache. Sie richtet sich an alle, die komplizierte Texte schwer verstehen – nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern auch Menschen mit geringen Deutschkenntnissen, ältere Menschen oder einfach jeden, der mit Behördendeutsch nichts anfangen kann.
Merkmale der Einfachen Sprache
Kürzere Sätze
Maximal 15-20 Wörter pro Satz. Schachtelsätze werden aufgelöst.
Fachwörter erklärt
Fachbegriffe dürfen vorkommen, werden aber sofort erklärt.
Klare Struktur
Logischer Aufbau, Absätze, Überschriften und Listen.
Alltagssprache
Formulierungen wie im normalen Gespräch. Kein Amtsdeutsch, kein Juristendeutsch.
Internationaler Standard
Einfache Sprache orientiert sich an der ISO 24495-1 (Plain Language). Anders als Leichte Sprache ist sie kein fest definiertes Regelwerk, sondern ein Prinzip: Texte so schreiben, dass die Zielgruppe sie beim ersten Lesen versteht.
Unterschied: Leichte Sprache vs. Einfache Sprache
Beide machen Texte verständlicher, aber für unterschiedliche Zielgruppen und nach unterschiedlichen Regeln.
klaro.legal
| Merkmal | Leichte Sprache | Einfache Sprache |
|---|---|---|
| Zielgruppe | Menschen mit Lernschwierigkeiten, geistiger Behinderung | Alle, die komplizierte Texte schwer verstehen |
| Sprachniveau | A1-A2 (sehr einfach) | A2-B1 (allgemein verständlich) |
| Regelwerk | Festes Regelwerk (DIN SPEC 33429) | Orientierung an ISO 24495-1 (Plain Language) |
| Satzlänge | Max. 8-12 Wörter | Max. 15-20 Wörter |
| Qualitätssicherung | Prüfung durch Prüfgruppen aus der Zielgruppe | Keine Pflicht zur externen Prüfung |
| Professionelle Übersetzung | 65-260€ pro Normseite (inkl. Prüfgruppe) | 30-150€ pro Normseite |
Warum verständliche Sprache so wichtig ist
Juristische Texte sind absichtlich kompliziert formuliert – aber das bedeutet nicht, dass du sie nicht verstehen darfst. Im Gegenteil: Du sollst verstehen, was du unterschreibst.
Behördenbriefe
Wenn das Finanzamt, die Krankenkasse oder das Jobcenter schreibt, zählt jeder Satz. Fristen verstreichen, Widersprüche werden nicht eingelegt – weil der Brief unverständlich war.
Verträge
Mietverträge, Arbeitsverträge, Versicherungsverträge – überall stecken Klauseln, die man erst versteht, wenn es zu spät ist. Eine Erklärung in verständlicher Sprache kann vor teuren Fehlern schützen.
Menschen mit Migrationsgeschichte
Wer Deutsch als Zweitsprache spricht, scheitert oft an Fachbegriffen. Einfache Sprache schließt die Lücke zwischen Sprachkenntnissen und rechtlichen Anforderungen.
Ältere Menschen
Komplizierte Online-Formulare, lange Vertragstexte, neue Gesetze – viele Senioren fühlen sich von der Flut an Dokumenten überfordert.

Welche Dokumente brauchen verständliche Sprache?
Juristische Texte begegnen dir überall im Alltag. Hier sind die häufigsten Dokumenttypen, die viele Menschen nicht vollständig verstehen.
Mietvertrag
Kündigungsfristen, Schönheitsreparaturen, Betriebskostenumlagen – ein durchschnittlicher Mietvertrag hat 15-25 Seiten voller Klauseln.
Arbeitsvertrag
Probezeit, Überstundenregelungen, Wettbewerbsverbote – was harmlos klingt, kann deine Karriere einschränken.
Steuerbescheid
Festsetzung, Vorauszahlungen, Nachzahlungen – der Steuerbescheid ist für viele das unverständlichste Dokument überhaupt.
Bußgeldbescheid
Tatbestand, Rechtsbehelfsbelehrung, Ordnungswidrigkeiten – auch bei einem einfachen Knöllchen gibt es Fristen und Einspruchsmöglichkeiten.
Versicherungsvertrag
Selbstbeteiligung, Obliegenheitspflichten, Leistungsausschlüsse – Versicherungen sind meisterhaft darin, Ausnahmen klein zu drucken.
Behördenbrief
Anhörungsschreiben, Bescheide, Verwaltungsakte – Behörden schreiben oft in einer Sprache, die selbst Juristen erst übersetzen müssen.
KI-Tools für verständliche Sprache im Vergleich
Es gibt mittlerweile mehrere KI-Tools, die Texte in verständliche Sprache umwandeln. Aber nicht alle eignen sich für juristische Dokumente.
klaro.legal
klaro.legal
Dokument-Upload (PDF/Foto), Klausel-für-Klausel-Erklärung, 8 Sprachen, spezialisiert auf Verträge & Behördenbriefe
Textfeld-Übersetzer (z.B. Leichte-Sprache-Uebersetzer.de)
Text eingeben, vereinfachte Version erhalten
ChatGPT & ähnliche KI-Chats
Text eingeben und um Vereinfachung bitten

Beispiel: So erklärt klaro dein Dokument
Hier siehst du, wie klaro.legal einen echten Behördentext in verständliche Alltagssprache übersetzt.
Original (Behördenbrief)
Gemäß § 28 Abs. 1 VwVfG geben wir Ihnen hiermit Gelegenheit, sich zu der beabsichtigten Ablehnung Ihres Antrags auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis gem. § 18 Abs. 2 AufenthG zu äußern. Die Stellungnahme ist binnen einer Frist von zwei Wochen nach Zugang dieses Schreibens an die oben genannte Dienststelle zu richten.
Klaro erklärt
Die Behörde will deinen Antrag auf eine Aufenthaltserlaubnis zum Arbeiten ablehnen. Aber bevor sie das tut, darfst du dich dazu äußern. Das heißt: Du kannst erklären, warum du die Erlaubnis doch bekommen solltest. Wichtig: Du hast nur 2 Wochen Zeit ab dem Tag, an dem du diesen Brief bekommst. Schreib deine Antwort an die Adresse oben auf dem Brief.
7 Tipps zum Verstehen schwieriger Texte
Nicht immer hast du ein KI-Tool zur Hand. Mit diesen Strategien verstehst du auch schwierige Texte besser.
Fristen markieren
Suche zuerst nach Daten und Fristen. Das ist das Wichtigste — wenn eine Frist verstreicht, helfen auch gute Argumente nicht mehr.
Absatz für Absatz lesen
Lies nicht den ganzen Text auf einmal. Nimm dir jeden Absatz einzeln vor und frage dich: Was will dieser Absatz von mir?
Fachwörter nachschlagen
Jeder Fachbegriff, den du nicht verstehst, kann wichtig sein. Schlag ihn nach oder lade das Dokument bei klaro.legal hoch.
Wer will was von wem?
Stell dir drei Fragen: Wer schreibt mir? Was wollen die? Was muss ICH tun?
Keine Panik, aber schnell handeln
Die meisten Behördenbriefe haben Fristen. Ignorieren ist die schlechteste Strategie — selbst wenn du den Brief nicht verstehst.
Hilfe suchen
Verbraucherzentralen, Mietervereine, Sozialverbände — viele Stellen helfen kostenlos beim Verstehen von Dokumenten.
Dokument übersetzen lassen
Lade dein Dokument bei klaro.legal hoch. Unsere KI erklärt dir Klausel für Klausel, was dein Dokument bedeutet — in Alltagssprache.
