Das Problem in Zahlen

Warum du deinen Arbeitsvertrag lesen solltest
Ein Arbeitsvertrag ist kein Formular zum Abhaken. Er bestimmt dein Arbeitsleben für Jahre – von der Höhe deines Einkommens über deine Arbeitszeiten bis hin zu Fragen, was nach dem Job erlaubt ist. Wer den Text vor der Unterschrift nur überfliegt, übersieht oft genau die Klauseln, die später zum Problem werden.
Rechtlich bindend
Was du unterschreibst, gilt. Ein Arbeitsvertrag ist ein zivilrechtlicher Vertrag zwischen zwei gleichberechtigten Parteien – Nachverhandeln ist nach der Unterschrift kaum möglich, weil beide Seiten an die vereinbarten Bedingungen gebunden sind. Änderungen erfordern in der Regel eine neue Vereinbarung oder eine Änderungskündigung.
Versteckte Pflichten
Überstundenklauseln, Versetzungsrechte, Nebentätigkeitsverbote – viele Pflichten verstecken sich im Kleingedruckten, oft in Paragrafen, die auf den ersten Blick nebensächlich wirken. Gerade Klauseln zu Mehrarbeit oder Standortwechseln stehen häufig nicht im Hauptteil, sondern in ergänzenden Absätzen weiter hinten im Vertrag.
Unwirksame Klauseln erkennen
Viele Klauseln sind rechtlich unwirksam, weil sie gegen zwingendes Arbeitsrecht verstoßen oder Arbeitnehmer unangemessen benachteiligen (§ 307 BGB, Recht der Allgemeinen Geschäftsbedingungen). Wenn eine Klausel unwirksam ist, gilt stattdessen die gesetzliche Regelung – der restliche Vertrag bleibt davon meist unberührt.
Vor der Unterschrift verhandeln
Gehalt, Urlaub, Home-Office, Startdatum – vieles ist verhandelbar. Aber nur, bevor du unterschreibst. Nach der Unterschrift gilt der Vertrag wie vereinbart, und Nachbesserungen sind nur im gegenseitigen Einvernehmen oder über eine Vertragsänderung möglich.
Die 10 wichtigsten Klauseln im Arbeitsvertrag
Diese Klauseln solltest du besonders aufmerksam lesen und verstehen – sie betreffen die zentralen Punkte des Arbeitsverhältnisses und wirken sich oft über Jahre aus:
Gehalt und Vergütung
Neben dem Grundgehalt: Gibt es Boni, Provisionen oder Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld? Wann werden sie fällig, und unter welchen Bedingungen können sie gestrichen werden? Manche Verträge unterscheiden zwischen garantierten und freiwilligen Leistungen – bei freiwilligen Zahlungen besteht in der Regel kein dauerhafter Anspruch, selbst wenn sie mehrfach gezahlt wurden.
Tipp: Prüfe, ob Sonderzahlungen an Bedingungen geknüpft sind (z.B. 'ungekündigt am Stichtag') und ob ein sogenannter Freiwilligkeitsvorbehalt besteht.
Arbeitszeit
Die gesetzliche Höchstarbeitszeit beträgt nach dem Arbeitszeitgesetz 8 Stunden täglich, ausnahmsweise bis zu 10 Stunden, wenn im Schnitt über 6 Monate 8 Stunden nicht überschritten werden (entspricht 48h/Woche). Viele Verträge enthalten Klauseln zu Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit oder Schichtarbeit, die festlegen, wie Beginn, Ende und Lage der Arbeitszeit bestimmt werden.
Tipp: Achte auf 'Vertrauensarbeitszeit' – das kann bedeuten, dass Überstunden nicht systematisch erfasst werden, was ihren Nachweis später erschwert.
Überstunden
Hier lauern die meisten Fallen. Klauseln wie 'Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten' können unwirksam sein – müssen aber nicht. Entscheidend ist meist, ob eine konkrete Obergrenze genannt wird und ob diese Grenze in einem angemessenen Verhältnis zur regulären Arbeitszeit und zum Gehalt steht.
Tipp: Prüfe, ob eine Obergrenze genannt wird. Ohne Grenze ist die Klausel meist unwirksam, weil sie zu unbestimmt ist und den Arbeitnehmer unangemessen benachteiligen kann.
Urlaub
Gesetzlicher Mindesturlaub nach dem Bundesurlaubsgesetz: 24 Werktage (bei 6-Tage-Woche) bzw. umgerechnet 20 Arbeitstage (bei 5-Tage-Woche). Viele Arbeitgeber geben vertraglich mehr, etwa 25 bis 30 Tage. Der Vertrag regelt oft auch, wie Resturlaub übertragen wird und bis wann er im Folgejahr genommen werden muss.
Tipp: Achte auf Verfallsklauseln – nicht genommener Urlaub kann unter Umständen verfallen, wenn der Arbeitgeber zuvor ordnungsgemäß auf den Verfall hingewiesen hat.
Probezeit
In der Probezeit (max. 6 Monate nach § 622 Abs. 3 BGB) gilt eine verkürzte Kündigungsfrist von 2 Wochen, die für beide Seiten gilt. Danach gelten die normalen, gestaffelten Kündigungsfristen. Während der Probezeit besteht in der Regel noch kein allgemeiner Kündigungsschutz nach dem Kündigungsschutzgesetz.
Tipp: Prüfe die genaue Dauer. Manche Verträge verlängern die Probezeit bei längerer Krankheit oder Abwesenheit – das sollte konkret geregelt sein.
Kündigungsfristen
Die gesetzliche Grundkündigungsfrist beträgt nach § 622 BGB 4 Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats. Mit zunehmender Betriebszugehörigkeit verlängern sich die Fristen für den Arbeitgeber gesetzlich automatisch. Längere Fristen können vertraglich vereinbart werden, müssen aber für beide Seiten grundsätzlich gleich lang sein.
Tipp: Längere Fristen binden dich länger an den Job. Prüfe, ob die vereinbarte Frist tatsächlich für beide Seiten identisch gilt.
Wettbewerbsverbot
Nach der Kündigung stellt sich die Frage: Darfst du zur Konkurrenz wechseln? Ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot nach §§ 74 ff. HGB muss schriftlich vereinbart sein, darf höchstens 2 Jahre dauern und muss mit einer Entschädigung (Karenzentschädigung) verbunden sein.
Tipp: Ohne Karenzentschädigung (mind. 50% des letzten vertragsmäßigen Gehalts) ist das Wettbewerbsverbot in der Regel unwirksam oder unverbindlich.
Nebentätigkeit
Viele Verträge verbieten oder beschränken Nebenjobs pauschal. Ein generelles Verbot ist aber oft unwirksam, da das Grundrecht auf freie Berufsausübung (Art. 12 GG) nur eingeschränkt werden darf, wenn berechtigte Interessen des Arbeitgebers betroffen sind – etwa bei Konkurrenztätigkeit oder Überlastung.
Tipp: Du musst Nebentätigkeiten häufig anzeigen, wenn sie deine Haupttätigkeit beeinträchtigen könnten – ein generelles Genehmigungserfordernis ist davon zu unterscheiden.
Versetzungsklausel
Kann der Arbeitgeber dich an einen anderen Ort oder in eine andere Position versetzen? Solche Klauseln nutzen das sogenannte Direktionsrecht (§ 106 GewO) und erweitern es teils auf andere Standorte oder Tätigkeitsbereiche. Prüfe die konkreten Grenzen, etwa ob eine Versetzung nur innerhalb einer Region oder bundesweit möglich sein soll.
Tipp: Eine Versetzung muss stets nach billigem Ermessen zumutbar sein. Achte auf geografische Einschränkungen und darauf, ob private Umstände berücksichtigt werden müssen.
Geheimhaltung
Schweigepflichten über Geschäftsgeheimnisse, Kundendaten oder interne Prozesse sind üblich und oft auch nach Vertragsende gültig, unter anderem gestützt auf das Gesetz zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen (GeschGehG).
Tipp: Prüfe den Umfang – zu weite oder unbestimmte Klauseln können deine Karriere behindern, etwa wenn sie auch allgemeines Fachwissen erfassen.
Gesetzliche Kündigungsfristen für Arbeitgeber

So sieht das Ergebnis aus
Klaro übersetzt Vertragsklauseln in einfache Sprache – hier zwei Beispiele, wie eine juristische Formulierung in Alltagssprache übersetzt und erklärt wird:
Original im Vertrag
§ 4 Arbeitszeit – Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, im Rahmen der betrieblichen Erfordernisse Mehrarbeit zu leisten. Die ersten 10 Überstunden pro Monat sind mit dem vereinbarten Bruttogehalt abgegolten. Darüber hinausgehende Überstunden werden nach vorheriger Genehmigung durch den Vorgesetzten vergütet oder durch Freizeitausgleich abgegolten.
Klaro übersetzt
Du musst Überstunden machen, wenn die Firma es braucht. Die ersten 10 Überstunden pro Monat sind mit deinem Gehalt bereits bezahlt. Wenn du mehr machst, bekommst du das nur bezahlt, wenn dein Chef das vorher genehmigt hat – oder du bekommst die Zeit als Freizeit zurück.
Was bedeutet das? Das bedeutet: Bis zu 10 Überstunden pro Monat sind mit dem Grundgehalt bereits abgegolten. Danach ist eine vorherige Genehmigung entscheidend – ohne sie gelten weitere Überstunden häufig als nicht angeordnet, was die spätere Geltendmachung von Vergütung erschweren kann. Die genannte Obergrenze von 10 Stunden macht diese Klausel im Unterschied zu unbegrenzten Abgeltungsklauseln tendenziell wirksamer, weil sie konkret bezifferbar ist.
Original im Vertrag
§ 12 Wettbewerbsverbot – Der Arbeitnehmer verpflichtet sich, für die Dauer von 12 Monaten nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht für ein Konkurrenzunternehmen tätig zu werden. Ein Konkurrenzunternehmen ist jedes Unternehmen, das in direktem oder indirektem Wettbewerb zum Arbeitgeber steht. Für die Dauer des Wettbewerbsverbots zahlt der Arbeitgeber eine Karenzentschädigung in Höhe von 50% der zuletzt bezogenen Vergütung.
Klaro übersetzt
Nach Ende des Jobs darfst du 12 Monate lang nicht für die Konkurrenz arbeiten. Konkurrenz bedeutet hier: Jede Firma, die das Gleiche oder Ähnliches macht wie dein jetziger Arbeitgeber. Dafür bekommst du aber ein Jahr lang Geld – die Hälfte von deinem letzten Gehalt.
Was bedeutet das? Das bedeutet: Die berufliche Wahlfreiheit ist für 12 Monate nach Vertragsende eingeschränkt, im Gegenzug besteht ein Anspruch auf eine Karenzentschädigung von 50% des letzten Gehalts – das entspricht der gesetzlich vorgeschriebenen Mindesthöhe nach § 74 Abs. 2 HGB. Fehlt eine solche Zahlungsregelung ganz, ist ein Wettbewerbsverbot in der Regel unwirksam oder für den Arbeitnehmer unverbindlich.
So funktioniert Klaro: Du lädst deinen Vertrag hoch und bekommst sofort alle Klauseln übersetzt – kurz, verständlich und auf Deutsch.

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10 häufig unwirksame Klauseln
Diese Klauseln wurden von Gerichten in der Vergangenheit für unwirksam erklärt, meist wegen unangemessener Benachteiligung nach § 307 BGB oder wegen Verstoßes gegen zwingende gesetzliche Vorgaben. Ob das auf deinen konkreten Fall zutrifft, hängt von der genauen Formulierung und den Umständen des Einzelfalls ab.
Gut zu wissen: Gut zu wissen: Gerichte haben Klauseln dieser Art wiederholt für unwirksam erklärt. Klaro hilft dir, deinen Vertrag Satz für Satz zu verstehen – so kannst du selbst einschätzen, an welchen Stellen du weitere Informationen oder Unterstützung brauchst.
Unbegrenzte Überstunden-Abgeltung
'Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten' – ohne Obergrenze meist unwirksam, weil die Klausel zu unbestimmt ist und ein unbegrenztes Arbeitsvolumen erfassen würde.
Wettbewerbsverbot ohne Entschädigung
Ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot ohne Karenzentschädigung ist nach § 74 Abs. 2 HGB unwirksam bzw. unverbindlich für den Arbeitnehmer.
Überhöhte Vertragsstrafe
Vertragsstrafen, die deutlich höher als ein Monatsgehalt sind, sind in der Regel unangemessen und damit unwirksam.
Einseitig kürzere Kündigungsfrist
Wenn nur der Arbeitgeber mit kürzerer Frist kündigen darf als der Arbeitnehmer, verstößt das gegen § 622 Abs. 6 BGB und ist unwirksam.
Zu kurze Ausschlussfristen
Ansprüche müssen innerhalb einer Frist von mindestens 3 Monaten geltend gemacht werden können – kürzere Ausschlussfristen sind meist unwirksam.
Kürzung unter Mindesturlaub
Der gesetzliche Mindesturlaub nach dem Bundesurlaubsgesetz darf nicht unterschritten werden – auch nicht durch Regelungen zu vorzeitiger Kündigung oder Krankheit.
Generelles Nebentätigkeitsverbot
Ein pauschales Verbot aller Nebenjobs ist unwirksam, weil es die Berufsfreiheit unangemessen einschränkt. Nur konkurrierende oder leistungsbeeinträchtigende Tätigkeiten dürfen wirksam verboten werden.
Kürzung bei Krankheit
Klauseln, die Sonderzahlungen allein wegen krankheitsbedingter Fehlzeiten kürzen, sind oft unwirksam, da sie gegen den Grundgedanken der Entgeltfortzahlung verstoßen können.
Überhöhte Rückzahlungsklauseln
Fortbildungskosten dürfen nur anteilig und mit angemessener Bindungsdauer zurückgefordert werden – eine pauschale Rückzahlungspflicht ohne Staffelung ist meist unwirksam.
Uneingeschränkte Versetzungsklausel
'Der Arbeitgeber kann Sie jederzeit an jeden Ort versetzen' – ohne inhaltliche oder örtliche Grenzen ist eine solche Klausel meist unwirksam, weil sie zu weitgehend ist.
Was vor der Unterschrift wichtig ist
Zeit vor der Unterschrift zu nehmen ist üblich und sinnvoll. Ein seriöser Arbeitgeber räumt dafür in der Regel ausreichend Bedenkzeit ein.
Vertrag vollständig lesen
Der gesamte Vertrag – inklusive Anlagen und Verweisen auf Betriebsvereinbarungen oder Tarifverträge – gehört gelesen, nicht nur die erste Seite. Wichtige Klauseln zu Überstunden, Wettbewerb oder Versetzung stehen oft am Ende des Dokuments.
Kritische Klauseln prüfen
Besonders relevant sind: Überstundenregelungen, Kündigungsfristen, Wettbewerbsverbot, Versetzungsklauseln sowie Bedingungen für Sonderzahlungen. Diese Klauseln haben oft die größten finanziellen oder beruflichen Auswirkungen.
Gehalt vergleichen
Ein Vergleich mit dem, was in der jeweiligen Branche und Position üblich ist, liefert eine Einordnung. Portale wie Glassdoor oder Kununu sowie Gehaltsreports von Verbänden bieten dafür Orientierungswerte.
Verhandeln
Gehalt, Urlaubstage, Home-Office-Regelungen, Arbeitszeitmodelle oder Startdatum sind häufig verhandelbar. Der Spielraum unterscheidet sich je nach Arbeitgeber, Branche und Position.
Zeit nehmen
Bedenkzeit von einigen Tagen ist ein üblicher Vorgang bei der Vertragsunterzeichnung und wird von den meisten Arbeitgebern akzeptiert.
Informationen einholen
Bei Unsicherheiten bieten Gewerkschaften, Verbraucherzentralen oder Klaro Möglichkeiten, einzelne Klauseln besser zu verstehen und einzuordnen.
Was kostet eine Vertragserklärung?
Ein Arbeitsvertrag sollte vor der Unterschrift verstanden werden. Die Möglichkeiten dafür unterscheiden sich deutlich in Preis, Umfang und Geschwindigkeit:
Fachanwalt Arbeitsrecht
Gründliche juristische Prüfung mit individueller Einschätzung, aber vergleichsweise teuer und oft mit Terminvereinbarung und Wartezeit verbunden.
Gewerkschaft
Als Mitglied ist Rechtsberatung im Rahmen der Mitgliedschaft enthalten. Die Mitgliedschaft besteht dauerhaft und ist unabhängig vom Einzelfall.
Klaro
Sofortige KI-Übersetzung einzelner Klauseln in verständliche Sprache. Keine Anmeldung, keine Wartezeit, jederzeit nutzbar.
Klaro ersetzt keine Rechtsberatung – das Tool erklärt Klauseln in verständlicher Sprache, damit der Vertrag vor der Unterschrift besser nachvollziehbar ist.