Was ist eine Kündigung in der Probezeit?
Eine Kündigung in der Probezeit beendet das Arbeitsverhältnis schneller als sonst üblich. Sie ist in § 622 Abs. 3 BGB geregelt und gilt für maximal 6 Monate ab Arbeitsbeginn.
Verkürzte Frist
Statt der üblichen 4 Wochen gilt in der Probezeit eine Frist von nur 2 Wochen. Das gilt für beide Seiten gleichermaßen.
Kein Grund nötig
Weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer müssen einen Kündigungsgrund nennen. Eine formlose Erklärung reicht rechtlich aus, schriftlich ist sie aber vorgeschrieben.
Maximal 6 Monate
Die verkürzte Frist gilt nur, wenn eine Probezeit von höchstens 6 Monaten vertraglich vereinbart wurde. Danach gelten die normalen gesetzlichen Fristen.
Schriftform Pflicht
Eine Kündigung muss laut § 623 BGB immer schriftlich erfolgen, mit Unterschrift auf Papier. Eine Kündigung per E-Mail oder SMS ist unwirksam.
Eine Probezeit-Kündigung beendet ein Arbeitsverhältnis während der vereinbarten Probezeit, meist mit einer verkürzten Frist von 2 Wochen. Sie kann von Arbeitgeber oder Arbeitnehmer ausgesprochen werden, ohne dass ein besonderer Grund genannt werden muss.
5 Schritte: So berechnest du die 14-Tage-Frist
Die 2-Wochen-Frist beginnt mit dem Zugang der Kündigung, nicht mit dem Datum auf dem Brief. So lässt sich der letzte Arbeitstag konkret berechnen.
Zugangsdatum feststellen
Der Zugang gilt als erfolgt, sobald der Brief im Briefkasten liegt und unter normalen Umständen zur Kenntnis genommen werden konnte. Beispiel: Einwurf am Montagnachmittag zählt meist noch als Zugang an diesem Tag.
Fristbeginn festlegen
Der Tag des Zugangs selbst zählt nicht mit. Die 14-Tage-Frist beginnt am folgenden Kalendertag zu laufen.
14 Kalendertage zählen
Es zählen alle Tage, auch Wochenenden und Feiertage. Beispiel: Zugang am 3. März, Frist läuft bis einschließlich 17. März.
Fällt das Ende auf ein Wochenende?
Endet die Frist auf einen Samstag, Sonntag oder Feiertag, verschiebt sich der letzte Tag laut § 193 BGB auf den nächsten Werktag.
Letzten Arbeitstag notieren
Der errechnete Tag ist der letzte Tag des Arbeitsverhältnisses. Beispiel: Zugang 3. März, letzter Arbeitstag 17. März, fällt der 17. auf einen Sonntag, dann gilt der 18. März.
Kündigung schreiben: Das gehört rein
Wer selbst in der Probezeit kündigen möchte, kann ein formloses Schreiben verwenden. Diese Punkte gehören in jeden Kündigungsbrief.
Absender und Empfänger
Vollständiger Name und Adresse von dir und dem Arbeitgeber.
Datum und Ort
Das Ausstellungsdatum ist wichtig für die Fristberechnung.
Klare Kündigungserklärung
Ein Satz wie 'Ich kündige das Arbeitsverhältnis fristgerecht zum [Datum]' reicht aus.
Bitte um Zeugnis
Ein Hinweis auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis kann direkt mit aufgenommen werden.
Eigenhändige Unterschrift
Ohne Unterschrift auf Papier ist die Kündigung nach § 623 BGB unwirksam.
Kündigungsschutz und Sonderfälle in der Probezeit
Auch in der Probezeit gilt kein grenzenloser Kündigungsspielraum. Einige Personengruppen sind gesetzlich besonders geschützt.
Schwangerschaft
§ 17 MuSchG verbietet eine Kündigung während der Schwangerschaft und bis 4 Monate nach der Entbindung. Das gilt auch innerhalb der Probezeit, sobald der Arbeitgeber Kenntnis hat oder informiert wird.
Schwerbehinderung
§ 168 SGB IX sieht vor, dass bei anerkannter Schwerbehinderung das Integrationsamt zustimmen muss. Dieser Schutz greift regulär erst nach 6 Monaten Beschäftigung.
Kündigungsschutzgesetz (KSchG)
Das allgemeine Kündigungsschutzgesetz greift laut § 1 KSchG erst nach 6 Monaten Betriebszugehörigkeit und nur in Betrieben mit mehr als 10 Beschäftigten (§ 23 KSchG). In der Probezeit besteht dieser Schutz meist noch nicht.
Befristete Verträge
Ein BAG-Urteil aus 2025 stellte klar, dass eine Probezeit nicht unverhältnismäßig lang im Vergleich zur gesamten Vertragsdauer sein darf. Bei sehr kurzen Befristungen kann eine überlange Probezeit unwirksam sein.
Was tun nach Erhalt der Kündigung?
Nach dem Zugang der Kündigung sind bestimmte Schritte sinnvoll. Diese Reihenfolge hilft, keine Frist zu verpassen.
Zugangsdatum notieren
Das Datum des Zugangs ist der Ausgangspunkt für alle weiteren Fristen, auch für die Meldung bei der Arbeitsagentur.
Arbeitsagentur informieren
Nach § 38 Abs. 1 SGB III besteht eine Meldepflicht als arbeitsuchend, sobald das Ende des Arbeitsverhältnisses bekannt ist.
Arbeitspflicht bis zum letzten Tag
Während der Kündigungsfrist besteht grundsätzlich weiter Arbeitspflicht, sofern keine Freistellung vereinbart wurde.
Arbeitslosengeld beantragen
Der Antrag auf Arbeitslosengeld kann ab dem Tag der Arbeitslosigkeit gestellt werden. Eine Sperrzeit nach § 159 SGB III ist bei einer Kündigung durch den Arbeitgeber meist nicht vorgesehen.
Arbeitszeugnis anfordern
Ein Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis ergibt sich aus § 109 GewO und kann jederzeit geltend gemacht werden.
Sperrzeit beim Arbeitslosengeld — wann sie droht
Für viele ist das die teuerste Frage nach einer Probezeitkündigung: Gibt es sofort Geld oder erst nach Wochen? Entscheidend ist, wer gekündigt hat und warum. Eine Sperrzeit nach § 159 SGB III bedeutet bis zu 12 Wochen ohne Arbeitslosengeld, und sie verkürzt zusätzlich die Gesamtdauer des Anspruchs.
Der Arbeitgeber kündigt
Wer selbst gekündigt wurde, bekommt in aller Regel keine Sperrzeit. Die Agentur für Arbeit geht davon aus, dass die Arbeitslosigkeit nicht selbst herbeigeführt wurde. Das gilt auch dann, wenn die Kündigung in der Probezeit ohne Angabe von Gründen kam.
Sie kündigen selbst
Bei einer Eigenkündigung droht eine Sperrzeit von bis zu 12 Wochen, weil die Arbeitslosigkeit als selbst verursacht gilt. Ausnahme: Es liegt ein wichtiger Grund vor, etwa nicht gezahlter Lohn, Mobbing oder gesundheitliche Gründe. Dieser Grund muss belegt werden können.
Aufhebungsvertrag unterschreiben
Ein Aufhebungsvertrag wird fast immer wie eine Eigenkündigung behandelt, auch wenn der Arbeitgeber ihn vorgeschlagen hat. Wer unterschreibt, riskiert die Sperrzeit — selbst bei einer Abfindung. Vor der Unterschrift lohnt sich deshalb Beratung.
Meldung: drei Tage, nicht drei Wochen
Unabhängig von der Sperrzeit gilt nach § 38 SGB III: Die Meldung als arbeitsuchend muss innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis der Beendigung erfolgen. Wer das versäumt, riskiert eine zusätzliche Minderung — dieser Fehler passiert häufig, weil die Frist so kurz ist.
Kündigung ohne Vorwarnung – ist das rechtens?
Viele fragen sich, ob eine Kündigung in der Probezeit überraschend kommen darf. Das Gesetz knüpft an unterschiedliche Situationen unterschiedliche Folgen.
In der Probezeit ist das rechtlich zulässig, da kein Kündigungsgrund erforderlich ist und das KSchG meist noch nicht greift.
Diese Form ist nach § 623 BGB unwirksam, unabhängig von der Probezeit. Nur eine schriftliche Kündigung mit Unterschrift ist gültig.
Sie ist nach § 17 MuSchG grundsätzlich unwirksam, wenn der Arbeitgeber zum Zeitpunkt der Kündigung informiert war oder innerhalb von 2 Wochen informiert wird.
Eine Kündigung ist während einer Krankschreibung in der Probezeit grundsätzlich möglich, die Krankschreibung allein schützt nicht vor Kündigung.
Probezeit-Kündigung vs. Kündigung danach
Nach Ablauf der Probezeit ändern sich Frist und Schutz spürbar. Der Vergleich zeigt die wichtigsten Unterschiede.
Kündigungsfrist
Kündigungsgrund
Kündigungsschutz
Resturlaub
Kündigung oder Aufhebungsvertrag?
Statt einer Kündigung kann auch ein Aufhebungsvertrag angeboten werden. Beide Wege haben unterschiedliche Folgen für Fristen und Arbeitslosengeld.
Fristen
Sperrzeit beim Arbeitslosengeld
Zustimmung nötig
Resturlaub und Ansprüche bei Kündigung
Bei einer kurzen Beschäftigungsdauer stellt sich oft die Frage nach Urlaub und offenen Ansprüchen. Diese Übersicht zeigt die wichtigsten Punkte.
| Anspruch | Regel | Wer profitiert | |
|---|---|---|---|
| Resturlaub | Anteilig pro vollem Beschäftigungsmonat, 1/12 des Jahresurlaubs | Arbeitnehmer | |
| Urlaubsabgeltung | Auszahlung, wenn Urlaub nicht mehr genommen werden kann | Arbeitnehmer | |
| Lohn bis letzter Tag | Volle Vergütung bis zum letzten Arbeitstag | Arbeitnehmer | |
| Arbeitszeugnis | Kostenlos, auf Verlangen qualifiziert | Arbeitnehmer |

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